Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 276 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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um nicht verhaftet und dem Brünner Gerichte eingeliefert werden zu können. Er floh geheim mit seiner Dienerschaft nach Holleschau, wo seine Verwandten lebten, bei denen auch sein Vater Jonathan in seiner Jugendzeit wohnte; Wolf allerdings wohnte nicht bei den Verwandten, sondern bei einem seiner Anhänger, deren es in Holleschau eine Menge gab. Was hat Wolf E. zu seiner plötzlichen Flucht veranlaßt? Die Antwort liegt klar auf der Hand, wenn man sein großzügiges Leben in Betracht zieht: Schulden. Er hatte nämlich im Laufe der Zeit seines Brünner Aufenthaltes recht viel Geld gebraucht, welches ihm von seinen Freunden reichlich in Form von Anleihen zufloß. Die Gläubiger verlangten jedoch trotz ihrer Anhängerschaft und Verehrung für den „Messias" energisch ihr Geld zurück. Da fuhr eines Tages der ältere Bruder des Wolf E., M e c h e 1 Eibens c h i t z, aus Preßburg über Nikolsburg und Brünn zu seinem Vater nach Hamburg. Diese Reise, welche durch Prunk und Glanz die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, ließ die Vermutung aufkommen, daß sich auch Wolf geheim im Gefolge seines Bruders befinde. Deshalb wurde gegen ihn von seinen Gläubigern der Haftbefehl bei den Brünner Behörden durchgesetzt. Als dies Wolf erfuhr, floh er in Nacht und Nebel nach Holleschau, wo er sich krank stellte. Aus Brünn wurden zwanzig Soldaten nach Holleschau entsandt, um ihn gefesselt zurückzubringen. Wir sehen aus dieser erbarmungslosen Behandlung also, daß aller Freundschaft, ja, man wollte fast sagen: Zugehörigkeit einflußreicher Beamten zum Schabbatianismus, ganz andere Motive zugrunde lagen — vielleicht Bestechung? — als tiefste, innerste Überzeugung und schrankenlose, opferwillige Verehrung und Ergebenheit. Die Soldaten bekamen auch, wie oben angedeutet, den Auftrag, nicht eher von seinem Lager zu weichen, als bis er soweit wieder hergestellt sein werde, um nach Brünn befördert werden zu können. Nun meldeten zahlreiche Gläubiger ihre Forderungen an, die namhafte Beträge ausmachten. Besonders energisch hat ihm ein Gläubiger aus Brünn zugesetzt, dem Wolf 15.000 Gulden schuldete und der erst beruhigt werden konnte, als ein reicher Holleschauer Anhänger des Wolf eine Kaution für diesen erlegte. Dieser offensichtige Bankerott Wolfs beleuchtet uns mit einem 276