Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 274 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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Wolf fürchtete daher in seiner Tätigkeit weder die jüdische noch die nichtjüdische Öffentlichkeit. Die jüdische deshalb nicht, weil „in Mähren kein jüdisches Haus war, in welchem sich nicht so ein Toter (= fürs Judentum) befand", wie seine Gegner behaupteten, und die nichtjüdische, weil er sich seitens der Behörden sicher fühlte. Ja, in Konsequenz ihrer Lehre waren die Anhänger des Wolf bestrebt, ideell den Nichtjuden näher zu treten. Oft kam es vor, daß Nichtjuden von der Lehre der Schabbatianer derart ergriffen waren, daß sie selbst an die Ankunft des Messias glaubten. Ein hoher Beamter soll sogar einige Seiten aus dem Sohar, der Bibel der Kabbalisten, auswendig hergesagt haben. Diese Tatsache ist jedoch nicht bloße Erscheinung dieser Niedergangsepoche, sondern gleich seit Entstehen des Schabbatianismus her bekannt. Denn bald nach dem Auftreten des Schabbatai Zewi ist ein reges Interesse seitens der nichtjüdischen Welt für diesen Messias und seinen Kreis zu beobachten, welches selbst bis zum Papste drang. „Es war kein Wunder / daß einige Christliche Kauf-Leuthe zu Hamburg fast wolten wanoken / da sie anfänglich von dess vermeinten Juden-Messiae vorgegebenen Wundern und großen Taten hörten in dem auch an großen Höffen /ja zu Rom selbster/ es allerhand Speculationen darüber gab / wie gedachter Goeree I. c. p. 143 (in de Kerklyke en Weereldyke Historien [Amsterdam 1705. in 4.])" en t'scheelde vveynig, of de Kristenen begonnen uyt dit Werk, yts groots o>mttent de Joodse Natie de denken; en gaf ensteltuis aan alle Hoven, zelfs ook te Roome tot in't Vatikaan" berichtet der zeitgenössische Chronist. Während in der Zeit der Anfänge des Schabbatianismus das Interesse der nichtjüdischen Welt um die messianischen Ereignisse hervortrat, so warben zur Zeit seines Niederganges die Schabbatianer um die Gunst der Nichtjuden, denn diese war neben zahlreichen Vorteilen für den betreffenden „Messias" von besonders großer Bedeutung, wie wir auch schon bei Wolf geschehen haben. Der „Messias" mußte sich im Kämpfe gegen seine Stammesgenossen, welche erbittert und mit großer Energie die Verbreitung des Schabbatianismus mit erlaubten und unerlaubten Mitteln bekämpften sich auf den Schutz seiner nichtjüdischen Freunde in den Ämtern stützen. 274