Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 273 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Wolfs Flammenwunder am Heiligen Abend ist ein deutlicher Beweis solcher Bestrebungen. Ebenso ist die erotische Seite dieser Tätigkeit Frankismus. Die Sabbatorgien sind ihm direkt entnommen worden und auch der Frauenkult der frankistischen Wolfisten hat keinen anderen Ursprung. „Jeder, der das Glück hat, s i e (die Jungfrau) in ihrer vollkommenen Schönheit zu blicken, hat einen Anteil am künftigen Leben; denn sie ist das Jenseits selbst" ist ein charakteristischer Ausspruch Franks, der auch von den Anhängern des Wolf treu gehalten wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhange, die Beziehungen Wolfs zum Hause Dobruschka zu erörtern. Es wurde mitgeteilt, daß die Brünner „unmoralische Freundin" Wolfs S c h ö n d 1 Dobruschka hieß und daß im Hause des SalmanDobruschk a der Treffpunkt der Wolf-Anhänger war. Nun erfahren wir aus dem Aufsatz: DOBRUSCHKA-SCHOENFELD-FREY von B. M. Trapp (Tagesbote, 16. I. 1928), daß Schöndl (Katharina), eine Frauenschönheit, die Gattin des Salornon Dobruschka war. Daher läßt der Umstand, daß in diesem Hause, welches sich ob der Krönavorstadt befand und in welchem die einzige behördlich bewilligte jüd. Betstube war, die Schabbatianer zusammentrafen, die Vermutung aufkommen, daß der reiche Dobruschka, der auch rabbinische Qualifikation hatte, Anhänger dieser Sekte war. Nur so wäre auch die geldliche Unterstützung des Wolf seitens der Dobruschka erklärlich und begründet. Daß diese Zugehörigkeit Dobruschkas zur schabbatianischen Sekte sehr wahrscheinlich ist, kann auch einem Briefe des Philosophen Lazarus Bendavid entnommen werden, der im Anhang Nr. III. der Studie über Bendavid von Jacob Guttmann (Monatsschrift f. Gesch. u. Wissensch, d. Jud., LXI/XXV/Jhrg. 1917, S. 205/06) erschienen ist, und aus dem hervorgeht, daß Jakob Frank ursprünglich ebenfalls Dobruschka hieß, also diese Familie eine Hochburg des Schabbatianismus darstellte. Salman hatte ferner äußerst gute Beziehungen zu den Behörden, was Wolf und später auch Frank sehr zu nutze kam. Auch dieser Vorteil wäre ohne tiefe innerste Beziehung (also ohne Zugehörigkeit zur Sekte) des Dobruschka zu den Führern des Schabbatianismus unwahrscheinlich. 273