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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-06-01 · 4 (Juni 1931) · p. Seite 270

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
4 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 270 (sequence 54)
Language
German
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nicht immer unbegründet gewesen sein dürfte, suchte er eine Braut. Alle seine Freunde und Anhänger, alle Bekannten seines Vaters waren ihm dabei behilflich. Aber auch für seinen so kostspieligen Aufwand brauchte er eine Braut, die nur reich sein mußte; und um eine solche zu erwerben, mußte er selbst mit großem Glanz und Reichtum auftreten. Sein Plan wurde jedoch durch seinen eigenen Diener und Kassier David Wollstein vereitelt, der das ganze Barkapital Wolfs unterschlug und damit entfloh. Er wurde allerdings nach einiger Zeit gefangen genommen und eingesperrt, aber mit Wolf ging es finanziell rapid abwärts, so daß bald selbst seine Pferde verkauft werden mußten. Seine Kassen waren leer und er hatte doch auch die schwere Pflicht um die große „Familie" seiner Anhängerschar Sorge zu tragen. Wie bei jeder unerklärten Phase seines Lebens, wurde auch diesmal von einer Frau von üblem Rufe aus Brünn erzählt, die ihn finanziell unterstützte. Das Volk schenkte diesen Nachrichten ohne weiteres vollstes Gehör und Glauben, zumal selbst aus den Reihen dieser Sekte schabbatianische Sitten-Satzungen in die Öffentlichkeit drangen, die berichteten, daß Unzucht, Homosexualiät, ja selbst Blutschande bei ihnen gang und gäbe sei. So erzählte z. B. M o s c h e h. David aus Fjorda in Polen, ein Freund des Wolf Eibenschitz, ganz offen über sein Verhältnis zur Frau des Akives, den wir oben als Mitglied der Wolf-Gruppe kennen gelernt haben. Warum sollte man daher auch einer Nichtjüdin in Altona keinen Glauben schenken, die von ihren Liebesbeziehungen zu Wolf E. erzählte und erklärte, sie werde ihm nachfolgen, denn Wolf habe ihr ewige Treue geschworen. Aus Hotzenplotz kam Wolf E. mit seiner Gruppe nach Proßnitz, wo schon vorher ein großes Zentrum seiner Anhänger war. Der Führer dieses Proßnitzer Anhanges war Abraham Prostitz, welcher noch in Altona bei Wolf war, aber bald in seine Heimatstadt zurückkehrte, um daselbst auf seine raffinierte Art für den „Meister" tätig zu sein. Er stellte sich namentlich nach außen hin als erbitterter Gegner Wolfs und des Schabbatianismus überhaupt, um sich die Arbeit für denselben zu erleichtern. Wolf hielt in Proßnitz öffentliche Vorträge mystischen Inhaltes, die in seiner bevorstehenden Offenbarung als Messias gipfelten. Auch durch 270

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