Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 245 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Bevorzugung ist, nicht aber die Lust am Betrügen. Der mährische Thoraschmuck und die Gewürzbüchsen, der Frauenzierat und das Haussilber der Juden Mährens, die aus dieser Zeit stammen, beweisen dies mit ihrem geringen Silberfeingehalt zur Genüge. Das Zentrum des jüdischen Goldschmiedehandwerks in Mähren ist im achtzehnten Jahrhundert das Städtchen N i k o 1 s b u r g, so wie es damals auch in talmudischer Hinsicht einen Mittelpunkt bedeutet. In der „Consignation deren in dem Markgr(afthum) Mähren dermahlen befindlichen Goldschmieden" vom April 1732 werden offiziell drei jüdische Goldschmiede aufgeführt, darunter Isaac Beer, „welcher diese profession von seinem Vattern erlehrnet hat..., wie seine Familia vor hundert Jahren solche Exerciret hat". Dieser Goldschmied Beer ist allem Anschein nach ein Nachkomme des aus Wien im Jahre 1670 exilierten R. Beer Zoref, von dem eine Arbeit, ein schöner Chanukahleuchter, bekannt ist. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem Prager Gemeindevorsteher Behr, welcher in der „Neuen Zeitung und Jüd. Aufzug.. . zu Ehren... der Geburth Prinz Leopold" im Jahre 1716 genannt wird. Sein oben erwähnter Vater hatte vom Kaiser ein Privilegium erhalten, das ihn zum Mitglied der „Nicolsperger Christlich Gold- Schmied und Mahler(!)-Zunfft" berechtigte, der einzige jüdische Goldschmied Mährens, dem diese Auszeichnung im Sinne jener Zeit zuteil wurde. Diese Urkunde ging jedoch bei einer Feuersbrunst zugrunde. Der Fall, daß sich das Handwerk vom Vater auf den Sohn vererbt, ist wie sonst in der jüdischen Diaspora auch in Mähren nicht selten, ein Beweis für die Liebe zum angestammten Gewerbe. Der Goldschmied Salomon Joachim in Butschowitz (Liste *von 1732) erlernt die Profession von seinem Vater aus Kremsier, ebenso Aron Dawid in Schaffa. Das ist hier in Mähren wie sonstwo durch den Umstände bedingt, daß der Jude alles aus sich selbst heraus erlernen mußte. Kein christlicher Meister, kein Künstler von Ruf nahm ihn auf, die große Welt der Kunst war ihm fast überall ebenso verschlossen wie jene der Wissenschaft. So war der jüdische Kunsthandwerker nur auf die Traditionen seiner eigenen Kreise angewiesen und stand in ihrem Banne. Schuf er aber aus sich heraus so wurde sein Ringen nach einem individuellen Kunstausdruck bei dem Mangel, jemals einen geordneten und geschulten Zeichenun- 245