Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 244 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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nisse der verschiedenen Erhebungen, welche durch die Kreishauptleute über Auftrag des Guberniums (Regierung) in Brünn gepflogen wurden. Aus ihnen erfährt man nebst interessanten, allgemeinen Aufschlüssen eine Reihe von Namen jüdischer Meister im Goldschmiedgewerbe. Solche Erhebungen erfolgen in den Jahren 1699, 1716, 1732, 1744, 1757, 1769 und 1775, und das Resultat ist vom jüdisch-kulturellen Standpunkt aus stets von größter Bedeutung. Schon 1699 erscheinen laut der einschlägigen Liste jüdische Silber¬ und Goldschmiede in Austerlitz (einer), in Nikolsburg (zwei), „Einsilber- und Einfiligranarbeither", in Gewitsch (einer), der „aus dem Königreich Böhmen kommende Goldschmied Nathan Hirschel", in Proßnitz (einer) und „in dem Stätterl Boscowitz befinden sich Zwey jüdische Goldschmidt, benamentlich der Mojses Isac, so ein al'dortiger Unterthan, und der andere Salomon Schwartz Harschl, gebürtig aus Prag". Das Dekret von 1727 (11. Januar), welches eine bevorstehende Regulierung des Münzwesens einleitet, hält es für schädlich, daß „sowohl im Königreich Böheimb, als Margffthumb Mähren so viele Jüdische Gold-Schmid gelitten werden". Es sollte ihnen „allerorthen die Gold-Schmied-profession völlig eingestellt" werden. Interessant ist dieses Edikt, das sich vornehmlich mit den Maßnahmen zur Beseitigung des Verarbeitens und Handels mit minderwertigem Silber beschäftigt, weil es trotz aller Absicht, darin die Juden als die Hauptschuldigen darzustellen, zugeben muß, daß die Erzeugnisse aus schlechtem Silber durch „sowohl Christliche als Jüdische Goldschmiedt in die Erbländer ausgestreuet werden". Das ist so in dieser Fassung zutreffend. Denn das Material, das im 17. und 18. Jh. verarbeitet wird, und hauptsächlich jenes, welches als Marktware raschen Absatz finden soll, ist allgemein stark legiert, mit allen üblen Praktiken des Schmelzens behandelt, und erreicht nur in den seltensten Fällen den damals erforderlichen Zwölflothgehalt, sondern kommt höchstens auf zehn, meist nur auf sieben Loth. Dieses minderhältige Silber eignet sich eben seiner Billigkeit wegen als Handelsartikel, und ebensowie die „mit Kärnthner waaren handelnden Tyroler und Bayerländer", so vertreiben es die Juden über das flache Land. Sie verwenden es aber auch für sich, für ihre Ritualgegenstände in Haus und Synagoge, weil hier wie dort die Armut die Ursache für die 244