Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 243 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die mährischen Juden im Goldschmiedehandwerk. Von Dr. Jakob Bronner, Wien. Die Neigung und Befähigung des jüdischen Volkes zum Goldschmiedehandwerk und zum künstlerischen Schaffen in edlen Metallen reichen in ein sehr hohes Altertum zurück. Auch in der nachbiblischen Epoche gibt es jüdische Goldschmiede in der ganzen damaligen Diaspora, im römischen Imperium, im Abendlande und im ganzen Morgenlande. Im Orient besonders ist das Goldschmiedehandwerk in alter und in neuer Zeit geradezu ein Spezialberuf der Juden, in Arabien und Persien, im Irak, in Kurdistan und Bodhara, in Ägypten und ganz Nordafrika begegnet man den jüdischen Gold- und Silberschmieden, die überall den Mittelpunkt der gesamten Edelmetallarbeit der betreffenden Länder bilden. Nicht minder bevorzugen die Juden der späteren abendländischen Diaspora das Goldschmiedehandwerk. Im Westen, in den romanischen Ländern, wird ihrer schon um das Jahr 1000 urkundlich Erwähnung getan. So findet man sie in Frankreich, in Spanien sowohl in der maurischen Zeit, als auch später während der christlichen Vorherrschaft bis 1492, besonders aber in Italien, wo wir aus dem Ende des Mittelalters den Namen eines sehr bedeutenden Künstlers, SALOMONE DE SESSA — später als Renegat Ercole dei Fedelli genannt — erfahren. Neben den kulturalten Ländern des Abendlandes erscheinen dann auch viele jüdische Meister des Goldschmiedehandwerkes seit dem 16. Jahrhundert im slavischen Osten. Polen und Böhmen sind Zentren der jüdischen Goldschmiedekunst. In Polen blühen: Krakau, Lemberg, Lublin, Posen, Bromberg'und andere schon seit Sigismund I. (1505/48) und in Böhmen hauptsächlich Prag als früherer Mittelpunkt jüdischen Handwerks und jüdischer Volkskunst. Seit dem 17. Jahrhundert kommt dann auch Mähren hinzu und ist zweihundert Jahre lang recht bedeutend und schaffensfreudig in der Goldschmiedekunst. Hier sind besonders lehrreich die Ergeb- 243