Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 236 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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oder ihre Ehe durch einen vorschriftsmäßigen Scheidebrief auflösen lassen; sollte er aber von seiner Entscheidung nicht zurücktreten und den ungesetzlichen Schritt nicht bereuen, so würden sie ihn in den Bann legen. R. Jakob Pollak blieb standhaft, hielt an seiner Entscheidung fest und kümmerte sich gar nicht um die Drohungen seiner Kollegen, sah sich nach rabbinischen Bundesgenossen um, fand nur einen Einzigen, den ein Familienunglück gezwungen hatte, sich der Entscheidung des R. Jakob Pollak anzuschließen. Dieser Rabbiner war R. Mayer Pfefferkorn vom Prag, ein Jünger des R. Josef Kolon, Rabbiners in Mantua, dessen Frau und Kinder im Kerker schmachteten; er konnte seine Hoffnung nur auf R. Jakob Pollaks Schwiegermutter setzen, daß sie vermöge ihres Einflusses beim königlichen Hofe deren Befreiung durchsetzen würde. Pollaks Schwiegermutter wollte ihre Verwendung 'nur unter dieser Bedingung zusagen, wenn R. Mayer Pfefferkorn ihrem Schwiegersohne sekundierte und ein rabbinisches Gutachten abgeben würde, daß die Ehe ihrer Tochter durch das „Mioh" aufgehoben sei. R. Mayer Pfefferkorn ging darauf ein, und schloß sich der Entscheidung R. Jakob Pollaks an. Trotz dem Widerspruch fast sämtlicher Rabbiner, blieb R. Jakob Pollak bei seinem Vorhaben, verheiratete seine Schwägerin an einen andern; er wurde deshalb von R. Jakob Margulies, R. Juda Münz und R. Pinchas von Prag mit dem Bann belegt26), mußte sein Amt niederlegen, Prag verlassen, kehrte nach seinem Geburtslande Polen zurück und ließ sich in Krakau, wo seine Schwiegereltern wohnten, nieder. Im Jahre 1495, als in Krakau die Ältesten d. Gemeinde, wegen wie es scheint, der Brandstiftung im Schlosse gefangen gehalten, befand sich dort an erster Stelle „Jakob -Doktor" (Jakob Pollak). Als ihre Unschuld bewiesen worden war, wurden sie alle auf freien Fuß gesetzt, doch war der Prozeß für sie von sehr schlechtem Erfolg. Im selben Jahre vertrieb König Johann Albert die Juden aus Krakau und sie mußten nach dem benachbarten Kazimierz übersiedeln.27) Der Vorfall in Prag, wie auch der Bann, der über ihn verhängt wurde, hatten R. Jakob Pollak keineswegs geschadet, denn es scharten sich auch dort um ihn zahlreiche Jünger aus allen Gemeinden Polens und Deutschlands, um seinen Worten zu lauschen und zu seinen Füßen zu sitzen. Er entfaltete dort eine segensreiche Tätigkeit, sein Lehr- 236