Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen und ihren Wissensdurst aus seiner sprudelnden Quelle zu stillen. Sein Name wurde in allen Gemeinden der Judenheit bekannt und er wurde als größte rabbinische Autorität anerkannt. R. Jakob Pollak war auch wohlhabend, da seine Frau Ester, eine Tochter des angesehenen Moses Fischel aus Krakau, eines der reichsten Steuerpächter in Polen war. Seime Schwiegermutter Rasska [Rachel], war eine sehr angesehene und energische Frau, welche selbst beim polnischen Hof großen Einfluß hatte.25) R. Jakob Pollak hatte eine selbständige Natur, beugte sich nie vor rabbinischen Größen, achtete keine Autorität, selbst seines Lehrers und Meisters R. Jakob Margulies nicht und besaß genug Charakterfestigkeit, um nie zu unterliegen. — Im Jahre 1492 ereignete sich ein Fall in Prag, der ihm die Gegnerschaft fast sämtlicher Gelehrten Prags, wie auch der rabbinischen Größen seiner Zeit zuzog. Er wurde sogar mit dem Bann belegt, so daß er seine Anstellung in Prag aufgeben mußte. Seine Schwägerin Sulka — die Schwester seiner Frau — eine Waise, heiratete, noch nicht 12 Jahre alt, einen Gelehrten R. Dawid Zehner aus Prag, welche Verbindung sie und ihre Mutter bald so sehr bereuten, daß sie die Auflösung der Ehe durchsetzen wollten. Da der Gatte aber auf Scheidung nicht eingehen wollte, belehrte R. Jakob Pollak seine Schwägerin, daß „Mion" anzuwenden, das heißt, die einfache Erklärung, „ich mag ihn nicht" abzugeben, wodurch die unmündig geschlossene Ehe, nach talmudischem Gesetze, aufgelöst sein wird. Dieses talmudische Gesetz, welches R. Jakob Pollak bei seiner Schwägerin angewendet hat, war aber seit einem halben Jahrhundert durch R. Menachem voin Merseburg aufgehoben worden und außer Kraft gesetzt. R. Jakob Pollak kümmerte sich um die bereits überall anerkannte Verordnung nicht, und erklärte die Ehe seiner Schwägerin für aufgelöst. Da erhoben sich sämtliche Gelehrten Prags und protestierten gegen seine Entscheidung, an der Spitze R. Pinchas aus Prag, eine große rabbinische Autorität. Die Angelegenheit wurde an die größten Rabbiner der damaligen Zeit, an den greisen R. Jakob Margulies in Nürnberg (ehemaligen Lehrer des R. Jakob Pollak) und R. Juda Münz in Padua zur Entscheidung vorgelegt. Ihr Urteil fiel zu Ungunsten des R. Jakob Pollak aus. Sie erklärten, er müsse seine Schwägerin entweder in das Haus ihres Gatten zurückführen, 235