Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wirkte R. Elijahu als Rabbiner und Schulleiter in Prag. Um ihn sammelten sich Schüler aus allen Weltgegenden, um seinen Worten zu lauschen15). Viele Rabbiner der damaligen Zeit waren zu seinen Füßen gesessen, und sein Name war fast in allen Gemeinden bekannt. R. Elijahu war wohlhabend, festen Charakters, mutigen Herzens. Er duldete keinen Widerspruch und übte sein Amt in Prag sehr strenge aus, indem er jeden, der sich ihm widersetzte, mit dem Bann belegte und auch die Autorität des Staates zur Unterstützung seiner Maßnahmen in Anspruch nahm. Er wurde deshalb auf Anklage des R. Nafanel Luria aus Heilbron16), Israel Bruna, Moses aus Halle, vom R. Israel Isserlein heftig getadelt. Derselbe wies ihn liebevoll aber strenge zurecht: „Wo hast du es gelernt" — rief ihm Isserlein zu — „das Rabbineramt mittels weltlicher Macht zu führen? Verschaffe dir Ehre und Macht, Ruhm und Würde durch Gelehrsamkeit, Weisheit und Hebung des Lehrhauses und nicht durch die Macht der Gewalthaber, welche später ein schlechtes Ende nimmt"17). R. Elijahu, der immer eigenmächtig vorging und sich niemals um die Einwilligung eines Anderen kümmerte, verfügte einmal, daß bei Vorkommen einer Blutbeschuldigung oder Hostienschändung in einer Gemeinde jede Gemeinde des Landes verpflichtet sei, gemeinsam mit den anderen zugunsten der Beschuldigten zu wirken. Man warf ihm vor, er hätte einen solchen Beschluß nicht ohne Befragen sämtlicher Gemeinden erlassen dürfen, was er jedoch nicht beachtete. R. Israel Bruna, der auch in dieser Angelegenheit angegangen wurde, stimmte diesen Anordnungen zwar zu, ermahnte ihn aber liebevoll, er möge die Ehre der Mitmenschen nicht verletzen und sie nicht gering schätzen, sondern mit ihnen friedfertig verfahren. Er möge sich nicht auf seinen Reichtum und seine Macht stützen, sondern solle immer den Weg des Friedens betreten18). In seinem Alter ließ sich R. Eleasar aus Passau, ein hervorragender Rabbiner und Schüler des R. Israel Bruna, in Prag nieder, begann gleich R. Elijahu Rabbinatsfunktionen auszuüben, vollzog Trauungen, nahm Ehescheidungen vor, lehrte, richtete, gleich einem Ortsrabbiner und schmälerte hierdurch die Einnahmen des R. Elijahu, der seit langer Zeit als Rabbiner seines Amtes waltete. Da brach in der Gemeinde der Streit aus, und es bildeten sich zwei 232