Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 231 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ihnen auch R. Lipmann. Er wurde van der Geistlichkeit aufgefordert, die Anklagepunkte, die man gegen sie erhoben hat, daß die Juden im Ulenu-Gebet, Jesu schmähen und ihn, den Gekreuzigten, Gehängten verwünschen, zu widerlegen. Seine Widerlegung ist sehr glücklich ausgefallen, scheint aber keine Wirkung hervorgebracht zu haben, denn 77 Juden wurden am 22. August 1400 hingerichtet und drei Wochen hernach wurden noch drei zum Scheiterhaufen geschleppt. Lipmann verfaßte auch eine Abhandlung über die graphische Darstellung der hebr. Buchstaben und ihre mystische Bedeutung, welche im Buche „Baruch sche-Umar" des Simson b. Elieser abgedruckt ist. Auch verfaßte er ein Werk „ha-Eschkol" unbekannten Inhalts. — Daß R. Lipmann auch als rabbinische Autorität zu seiner Zeit galt, geht daraus hervor, daß kein geringerer als R. Jakob Margulies aus Nürnberg und nach ihm R. Moses Isseries aus Krakau (Remu) ihn unter die rabbinischen Autoritäten Deutschlands zählten10). Wie es scheint, ist R. Lipmann um das Jahr 1520 in Prag gestorben. — III. R. Elijahu aus Prag und R. Eleasar aus Passau. R. Elijahu, einer der größten und scharfsinnigsten Gelehrten seiner Zeit, scheint in Prag geboren zu sein, lebte in Prag ohne Unterbrechung und wird daher in der zeitgenössischen Respohsenliteratur, immer als R. Elijahu aus Prag genannt. Auch sein Vater war eine rabbinische Autorität und ein scharfsinniger Talmudist. Denn kein geringerer als R. Israel Bruna bezeichnet R. Elijahu als „Zerhauer, Sohn eines Zerhauers"11), indem er auf ihren scharfen und tiefen Verstand anspielt. Wohl war R. Elijahu aus Prag und R, Israel Bruna noch jung an Jahren, als Israel Isserlein bereits alt und weit und breit berühmt war12). Trotzdem bezeichnet ihn der Letztere als seinen Genossen. Für das Ansehen von R. Elijahu in seiner Jugend spricht, daß Isserlein in Angelegenheit einer „Aguna" die Entscheidung von R. Elijahus Urteil abhängig machte13). Nach dem Tode der beiden rabbinischen Größen, R. Israel Isserlein und R. Jakob Weil, wurde R. Elijahu aus Prag und R. Israel Bruna, als die größten Rabbiner Deutschlands anerkannt. R. Mayer Katzenelnbogen aus Padua nennt ihn „einen starken Baum"14), auf dessen Urteilsspruch man sich stützen kann. — 231 \