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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-06-01 · 4 (Juni 1931) · p. Seite 230

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
4 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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I. R. Abigdor ben Isaak Kara. Rabbiner, Kabbaiist und liturgischer Dichter, lebte Ende des 14. und Anfangs des 15. Jahrhunderts in Prag. Beim Judengemetzel, welches am 18. April 1389 in Prag stattfand, scheint sein Vater erschlagen worden zu sein. Ihm ist es aber gelungen nach Regensburg zu flüchten6). Dort verfaßte er im Jahre 1409 seinen Commentar zum letzten Cap. der Psalmen7). Als in Prag wieder Ordnung und Ruhe herrschte, kehrte er nach seiner Vaterstadt Prag zurück, wo er am 9. Ijar des Jahres 1439 starb. Einige seiner liturgischen Gedichte sind gedruckt und ein kabbalistisches Werk von ihm befindet sich noch heute in Oxford8). II. R. Jörn Taub Lipmann aus Mühlhausen. Rabbiner, Kabbaiist und Theologe, Schüler des obgenannten R. Abigdor Kara. Wie es scheint, war Lipmann als Jüngling nach Prag gekommen, um die dortige rabbinische Hochschule des Abigdor Kara zu besuchen. Der letztere führte ihn nicht nur in die Hallen des Talmuds, sondern auch in die kabbalistische Wissenschaft ein9). R. Lipmann hatte einen angeborenen Sinn auch für andere Fächer. Er beschäftigte sich nächst talmudisch-rabbinisch- und kabbalistischer Wissenschaft auch mit Bibelexegese, was schon für jene Zeit in Deutschland viel sagen will, und war nicht nur in der karäischen Literatur, sondern auch in der christlichen Theologie sehr heimisch und las das Neue-Testament-in lateinischer Sprache. Er verfaßte eine inhaltsreiche Schrift „Nizzachon" (Der Sieg), in welcher er das rabbinische Judentum gegen alle Angriffe von philosophischer, karäischer und christlicher Seite rechtfertigte. Das beste, was er darin hervorgebracht hat, sind seine Argumente gegen das Christentum. Gelehrte deutsche Christen, welche mit Erstaunen die Belesenheit eines Juden im Neuen Testament sahen, der noch dazu dessen Schwächen aufzudecken imstande war, fühlten sich so sehr davon betroffen, daß der Bischof von Brandenburg Stephan Bodecker einige Jahrzehnte nach dem Erscheinen der Lipmannischen Schrift eine Gegenschrift verfaßte. — Als am 3. August 1399 viele Juden in Prag durch die Anschuldigung des Apostaten namens Pessach, der als Christ den Namen Peter angenommen hat, verhaftet worden sind, befand sich unter 230

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