Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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da sie ja die Breslauer Verhältnisse kannte, an die kürzlich eingeführte Judenordnung, durch die Hirschel J. Lichtenstadt seines Aufenthaltsrechtes verlustig gehen sollte, und die daher eventuell den Forderungen der Kammer hätte im Wege stehen können. Sie wies daher von vornherein darauf hin, daß nicht nur, wie die Prager Juden mitgeteilt hatten, einigen jüdischen Schammessen aus Polen, sondern „auch anderen Privatjuden" inzwischen der beständige Aufenthalt in Breslau gestattet worden sei. Zum Schluß wiesen die Kammerräte daraufhin, daß Lichtenstadt „ein kayseii. Unterthan" wäre, und auch im Interesse der kaiserlichen Einnahmen in Breslau zu dulden sei. Der Breslauer Rat verstand den freundlichen Wink. Noch in demselben Jahre mußten die zur Administration des Judenamtes Deputierten dem Rat unter anderem mitteilen: „Der Prager Schamas giebet vor, er hette Recommendationes und wehre ihm erlaumos giebet vor, er hette Recommendationes und wehre ihm erlaubet, von Ihro Gestr. dem Herrn Präses gar hier zu bleiben, davon man im [Juden-] Amfote nichts weiss, ist schon 37 Tage hier, heisset Hierschel Lichtenstaedt".54) Der Ratsvorsitzende hatte also dem Interesse des kaiserlichen Fiskus nachgeben müssen. Von jetzt an blieb der Prager Schammes in seinem Amte ungestört. 1697 noch ohne Familie, hielt er sich seit dieser Zeit mit seiner ganzen Familie in Breslau auf. Seine erste Frau Dobrisch, die Tochter des R. Nissan aus Rawitsch, starb 1704 in Breslau und wurde in Krotoschin beerdigt,55) 1706 wurde eine Kommission wegen der Beschwerden der Kaufmannschaft eingesetzt, vor die man auch den Lichtenstadt, den Prager Schammes, zitieren wollte,56) wozu bemerkt war: „absonderlich der Prager Juden nicht zu vergessen, welche zwischen Marktszeiten meist hier sindt und der Stadt den grössten Schaden thun". Aber diese Vorgänge scheinen ihm auch nicht geschadet zu haben. 1707 hatte er bereits wieder geheiratet.57) Seine Familie, die nach wie vor im Pokoyhof wohnte, bestand damals aus fünf Personen (Mann, Frau, zwei Kinder, ein Dienstjunge). 1710 zählte seine Familie vier Personen (Mann, zwei Frauen, von denen eine wahrscheinlich seine Mutter oder Schwiegermutter war, und ein Kind.58) 1722 zählte seine Familie vier Personen (Mann, Frau, Kind und -eine Gesindeperson) und die seines Sohnes Jonas (oder Jacob?) 148