Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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:zerey entzeln (= im Einzelverkauf handeln), Podern (= Buden), Zimmer und dergleichen dazu ermitten". Diese Vorwürfe bekräftigte noch eine Eingabe Breslauer Bürger,25) in der dem Prager Juden nachgesagt wird, „in dem sogenandten Pocköwes-Hoffe (= Pokoyhof), und zwar an einem heiligen Sontage, seidene und andere Wahre (es werden noch Spezereien aufgezählt) nach der Ellen zu schneiden". In allen diesen Vorwürfen leuchtet das wahre Motiv der Judengegnerschaft hindurch, nämlich das Bestreben, die unbequemen jüdischen Konkurrenten, die seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begonnen hatten, den christlichen Handel zu überflügeln, sich vom Halse zu halten.26) Am 6. 6. und am 18. 7. 1689 protestierten die Ältesten der Prager Judenschaft beim Kaiser Leopold II. gegen die Beeinträchtigung Ihres Handels in Breslau, und zwar unter Berufung auf die am 15. 2. 1689 sämtlichen Juden im Königreich Böhmen erteilten Privilegien.27) Der Kaiser trat dem Versuch, den kaiserlichen Fiskus zu schädigen —denn darauf lief letzten Endes die Vertreibung der Prager Juden vom Markt hinaus — entgegen und ließ am 26. Juli 1689 ein kaiserliches Reskript an das Oberamt in Schlesien ergehen,28) das in dieser Sache um Auskunft ersuchte, zugleich aber vorschrieb, die bestehenden Verhältnisse nicht zu Ungunsten der Prager Juden zu verändern. Am 14. September 1689 trat nun das Oberamt beim Breslauer Rat für die Prager Juden ein und fragte an, weswegen sie vom Markte ferngehalten wurden.29) Der Rat antwortete am 19. September d. J., daß es garnicht um die Jahrmarktsfreiheit der Prager Juden ginge, d. h. darum, ob sie dort überhaupt handeln dürften, sondern darum, daß sie sich „unterstanden wider die hiesige uhralte Observantz in Jahrmärkten seidene Gewölbe aufzurichten,30) und solche Wahren ellenweise zu verschneiden".31) Am 18. Oktober desselben Jahres protestierten die Kaufmannsältesten beim Magistrat gegen den „verlangenden freyen Wahrenschnitt" der Prager Juden auf den Jahrmärkten, und brachten alle möglichen Beweise für das Verbot des Einzelnhandels der Prager Juden an.32) Daraufhin machte auch der Breslauer Magistrat eine Oegeneingabe an das Oberamt (22. 10. 1689),33) in der er nachzuweisen versuchte, daß die Prager Juden auch außerhalb der Jahrmärkte zu handeln sich erlaubten, daß sie „alle adlichen Häuser 143