Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-03-01 · 3 (März 1931) · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2416673-2416674-2416678--0157-3527721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

genommen wurden,13) wurden 13 Prager Juden (unter 129 Juden) gezählt.14) Die Zahl der jeweilig auf Breslauer Märkten sich aufhaltenden Prager Juden scheint, wenn Aan aus dem vorangehenden, freilich lückenhaften Material Schlüsse ziehen will, keine allzugroße gewesen zu sein. Sie sind aber durch den Umfang ihrer Geschäfte und ihre wirtschaftliche Betätigung bemerkenswert. 1678 verzollten die Prager Juden15) hauptsächlich Krämereiwaren und Rauchwerk (je 5 Personen), daneben noch Stoffe und jüdische Bücher (je 2). Die Prager Juden handelten gewöhnlich nicht mit einer Ware allein; so verzollte z. B. Josef Plan Stoffe, Juchten und Ochsenhäute, Bernhard Käzel jüdische Bücher, Stoffe, und Rauchwaren, Jochim Sax Krämereiwaren, Leder und Juchten, Marcus Jacob Krämereiwaren und Felle. Sie waren also in ihrer wirtschaftlichen Betätigung sehr vielseitig. Ihre Vielseitigkeit, ihre Wendigkeit war es, die die Juden sich über alle engen Zunftvorschriften, über alle mittelalterlichen Schranken hinwegsetzen ließ: sie handelten nicht — wie der christliche Krämer gewöhnlich — nur mit einer Ware; sie handelten ferner gegen die Vorschrift, die besagte, daß Fremde auf Märkten Seide und andere Stoffe nur in großen, aber nicht in einzelnen Stücken, die nach der Elle abgemessen waren, verkaufen durften; sie übertraten auch die Vorschrift, die lautete, daß Fremde außerhalb der Markzeiten nicht handeln durften. Es war selbstverständlich, daß diese Gebarung der Juden den christlichen Krämern, die sich damals gerade in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befanden, genug Anlaß zu einem Vorgehen gegen die Juden bot. Es waren aber nicht die polnischen Juden, die die Breslauer christliche Bürgerschaft ankämpfte, denn diese kamen nach Breslau, um dort einzukaufen, sondern gewisse Gruppen der Zülzer und Glogauer sowie die Prager Juden, also die Gruppen der Juden, die in der Hauptsache nicht um einzukaufen, sondern um zu verkaufen nach Breslau kamen. Diese machten den eingesessenen Krämern Konkurrenz. Sie vermaßen sich, wie bereits gesagt, über die engen Zunftvorschriften hinwegzusetzen, die ihnen, um sie als Konkurrenten auszuschalten, nur ganz bestimmte Handelsarten vorschrieben. Schon seit 1682 hielt sich der bereits 1678 in Breslau nach- 141

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.