Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„Schammaschim" in solche Orte zu entsenden, die Juden nur zu Marktzeiten Einlaß in ihre Mauern gewährten, um eine bessere Abwicklung des Handelswesens der Juden zu ermöglichen4). Aber auch die Körperschaften der in den kaiserlichen Erblanden Wohnenden, unter habsburgischer Oberhoheit sich befindenden Juden ergriffen dieselben Mittel, um auf von Juden nicht bewohnten Marktorten die Geschäfte ihrer Mitglieder auch während deren Abwesenheit durch einen Vertreter weiterführen zu lassen. Naturgemäß waren es nicht ganz dieselben Orte, die sowohl polnische als böhmische Juden als Gäste auf ihren Märkten sahen. Während die polnischen Juden vorzugsweise in Ostdeutschland auf den Marktorten vertreten waren und ihr vorgeschobenster Posten, wenn man so sagen darf, Leipzig war, waren Markt- und Meßorte der Prager und böhmischen Juden Breslau, Leipzig, Linz und andere Städte.5) II. In Breslau war die Ernennung eimes solchen „Verwalters"6) oder „Schammes", wie er hebräisch genannt wird, seitens der Prager Juden sehr nötig. Nach dem 30jährigen Krieg hatte der Handel der Prager, böhmischen und mährischen Juden in Breslau einen größeren Aufschwung genommen. Besonders in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in der sich sogar einige Prager Juden, unter ihnen der Stammvater der Breslauer Familie Kuh, in den Vorstädten Breslaus, die nicht unter städtischer Jurisdiktion standen, niederzulassen begannen.7) 1652 wird Mosses Daniel von Prag8) als Breslauer Meßbesucher genannt. Da nicht alle Listen der Breslau besuchenden fremden Juden erhalten sind, sind wir für die folgende Zeit inur imstande, diejenigen Jahre nachzuprüfen, aus denen wir Nachrichten über jüdische Meßbesucher oder Listen von ihnen besitzen. Im letzten Viertel des 17. Jahrhundert steigt die Zahl der die Breslauer Märkte besuchenden Prager Juden. In einem zufällig erhaltenen Zollbuch aus dem Jahre 16789) werden allein 10 Prager Juden genannt.10) Unter den 332 jüdischen Meßbesuchern des Jahres 1685 (März —April11) befinden sich 12 Prager Juden.12) Unter den jüdischen Besuchern des Elisabethmarktes im Jahre 1697, die vollständig auf- 140