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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-12-01 · 2 (Dezember 1930) · p. Seite 109

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 109 (sequence 46)
Language
German
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Rabbinatsdiplome. Von Dr. Heinrich Flesch, Kanitz. Nach einem Vortrage, den ich vor mehreren Jahren in einem Kreise jüdischer Notabein gehalten habe, formulierte einer der Zuhörer sein Urteil dahin, daß bei mir der Jude beim Rabbiner 'beginne. Es liegt darin ein Körnchen Wahrheit. Wer die Geschichte der Juden in Mähren im 16., 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu seinem Forschungsgebiete gemacht, der kann für ganze Zeitabschnitte der Gemeindageschichte zuweilen nur den Namen des Rabbiners erfahren, der als Autor, oder Approbent eines Buches oder in einem RGA (Rechts gut achten) genannt wird, woraus wir über gewisse Vorgänge in der Gemeinde Aufschluß erlangen, zumindest aber die Gelehrtengeschichte bereichern, was sicher auch ein Verdienst ist. Für die Kulturgeschichte sind auch die Rabbinatsdiplome (Raibbinatsbriefe) von Bedeutung. Es sind dies Anstellungsurkunden. Zu jener Zeit wurden bei Vakanzen nicht Konkurse ausgeschrieben, die Rabbinen wurden auch nicht zu Probevorträgen berufen. War die Steile eines Rabbiners zu besetzen, so einigten sich Vorstand und Gemeindemitglieder auf eine Persönlichkeit, dieser wurde der Rabbinatsbrief durch Abgesandte der Gemeinde überreicht, oder durch die Post zugestellt, die Annahme des Rabbinatsdiplomes war einer Vertragsschließung gleichbedeutend. Durch die Rabbinatsbriefe gewinnen wir Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde. In de-r gewählten Persönlichkeit aber spiegelt sich die geistige Kaipazität, die religiös-sittliche Weltanschauung der Gemeinde ab, die Gemeinde hat den Raibbinar, den sie verdient. Zu jener Zeit ^amen nur die geistigen Qualitäten in Betracht. Die äußere Erscheinung spielte keine Rolle, je grauer der Bart, desto mehr Erfahrung, um so bedeutender das Wissen und dieses war für die Wahl maßgebend. I. „Schreibe dies ein zur Erinnerung in ein Bach, damit wir wissen, was mit Zustimmung der vornehmen Vorsteher und Besten (iboni) im Einverständnisse des Gesamtvorstandes und aller Steuerträger der Gemeinde festgelegt wurde, als der Rabbiner Mhrr Abraham Prostiz (= Proßnitz) aus Kremsier als Rabbiner berufen wurde. Dies seien seine Einnahmen: Sein Jahreslohn betrage 36 Gulden rheinisch. Damit er aber gleich einem der Gemeindemitglieder die Möglichkeit habe, Fleisch und Wein zu kaufen, so werden ihm als Beisteuer zum Briefelgeide (Zuschlag) weitere 36 Gulden aus der Gemeindekassa ausbezahlt. Zu jedem der 3 Wailfahrtsfeiertage erhält er aus detr Gemeindekassa je 2 Gulden. An den beiden Predigtsabbaten je 2 Gulden als Predigt-Geschenk. Vom Weinkeltern 10 kr pr. Faß. Für das 109

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