Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 68 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nummer der Zeitschrift, an der Schwelle unserer Tätigkeit, die traurige Kunde von dem Hinscheiden des Gelehrten bringen. Sein wissenschaftlicher Ruf wird an anderer Stelle dieser Zeitschrift gewürdigt werden. Die Wissenschaft im allgemeinen und die jüdische im besonderen hat einen ihrer besten und treuesten Söhne verloren. Die letzte größere Publikation, an der er hervorragenden Anteil nahm, war das Werk „Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwarf', in welchem er den Beweis seiner unvergänglichen Liebe für seine mährische Heimat lieferte, die er so liebte und wo er alljährlich die Sommermonate verbrachte. Weder Krankheit noch das herannahende Alter konnten seine Willenskraft beugen und reichliche Winke und Anregungen kamen diesem Werke durch sein tiefgründiges Wissen auf dem Gebiete der Familienforschung zugute. Es war nicht möglich, im engen Rahmen dieses Werkes alle Beiträge, die er uns zur Verfügung stellte, unterzubringen und bereits im Vorworte dieses Werkes gaben wir das Versprechen, mit der Herausgabe der vorliegenden Zeitschrift zu beginnen, welches wir auch einlösten. Im Sinne unseres großen Toten werden wir auch die Veröffentlichung seines literarischen Nachlasses, soweit die Beiträge in den Rahmen unserer Zeitschrift passen, der Öffentlichkeit übergeben. Dr. Holzmanns Leben bildete eine Kette von Enttäuschungen und Zurücksetzungen, wie sie einem jüdischen Gelehrten in dem politisch verhetzten alten Österreich und insbesondere in den Wiener Universitätskreisen nichts Seltenes waren. Obwohl man rückhaltlos seine Bedeutung anerkannte und skrupellos aus seinem Wissen vielfachen Nutzen zog, erreichte er erst in verhältnismäßig späten Jahren jene Würden und Titel, die anderen mühelos und vor der Zeit in den Schoß fielen. Daher läßt sich auch die Verbitterung Holzmanns erklären, mit der er das politische Ränkespiel verfolgte; anderseits aber waren gerade diese traurigen Erfahrungen Anlaß, sich mit umso größerer Liebe den jüdischen Gelehrtenkreisen Wiens anzuschließen und sich der Vertiefung in jüdische Geschichte zu widmen. Ursprünglich für das^ Lehrfach bestimmt, kehrte er sich bald von diesem Berufe ab und bewarb sich um die Stelle eines Amanuensis der Wiener Universitäts-Bibliothek, die ihm in der noch damals liberalen Aera zuteil wurde. In dieser Eigenschaft hat er der Bibliothek und vielen Studierenden wertvolle Dienste geleistet und so mancher verdankt ihm 68