Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 67 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Als wir vornehmlich auch auf Initiative Dr. Michael Holzmanns an die Gründung der vorliegenden Zeitschrift schritten, hatten wir nicht gedacht, daß wir schon in der zweiten Nummer den Tod des rührigsten und arbeitfreudigsten Mitarbeiters beklagen werden. Lange bevor noch die jüdische Familienforschung als systematische Wissenschaft in Erscheinung trat, hat Dr. Holzmann in reiner, selbstloser Liebe zur Sache sich mit jüdischer Genealogie befaßt, wovon seine vielen Zettelkataloge und jahrzehntelangen}/ orarbeiten ein glänzendes Zeugnis geben. Wer eines Rates oder Aufklärung bedurfte, wandte sich arf ihn, der jedermann in der liebenswürdigsten Weise mit seinem profunden Wissen und seinem verblüffenden Gedächtnisse diente. Ihm waren alle jüdischen Familienbeziehungen vertraut. Seine bedeutenden lexikalischen Werke, so das Anonymen- und das Pseudonymen-Lexikon sind heute grundlegende Standardwerke der Personenforschung, welche den Namen Holzmann für ewige Zeiten festhalten werden. Unsere Zeitschrift hatte von allem Anfange an sein regstes Interesse wachgerufen und er zögerte keinen Aiigenblick, mit jugendlichem Eifer und weitausgreifenden Plänen sein ungeheures reiches Wissen in gewohnter Weise selbstlos in den Dienst unserer Sache zu stellen. Noch am letzten Tage vor seinem unerwarteten Tode lief an die Redaktion eine Karte von ihm ein, in der er sich besonders darüber freute, daß diese Zeitschrift zu erscheinen begonnen hat. In dieser Nachricht gibt er der Zuversicht und Hoffnung Ausdruck, daß er, der nimmer Ruhende, auch hier ein neues Betätigungsfeld finden « werde und an dem Gedeihen der Zeitschrift lebhaftesten Anteil nehme. Umso weniger aber konnte er es begreifen, daß ein wissenschaftliches Unternehmen nicht überall bei Juden das notwendige Interesse hervorruft, welches sich vor allem in der Einigung aller in derselben Richtung arbeitenden Stellen zu zeigen hat. Es liegt wie '■ eine tragische Ironie des Schicksals darin, daß wir in der zweiten 67