Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 1 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 63 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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dieses Kreises gar keinen anderen Eindruck, als den der Neugierde gemacht. Sie sind nach wie vor mit der bestehenden Judenverfassung zufrieden und wünschen keine politischen oder irgendwelche religiöse Neuerung. Im alleräußersten Falle erwarten sie vielleicht von den Verhandlungen in Paris eine Besserstellung der in den französischen Gebieten wohnenden Juden und ihre Umwandlung zu brauchbaren und nützlichen Gliedern des Staates, wobei sie aber den ausdrücklichen Wunsch hätten, daß die religiöse Verfassung und die Grundsätze ihre Glaubens „nicht im mindesten ins Gedränge -kommen oder einer Umgestaltung unterliegen können, weil jeder wahre Jude eher sein Leben lassen oder dem härtesten Drucke sich unterziehen, als von den Grundsätzen seiner Religion, seinen Glaubenssätzen und den Weisungen des Talmuds abgehen würde" 1). Graf Lazansky2), der damalige Landeschef von Mähren, berichtet schon am 9. Oktober, daß er auf Grund der ihm erteilten Weisungen die Kreishauptleute beauftragt habe, durch verläßliche und vertraute Beamten mit Vermeidung alles Aufsehens schleunigst Erkundigungen einzuziehen, wie sich die auf den Dominien befindlichen Judengemeinden zu den napoleonischen Maßnahmen verhalten und ob bereits französischerseits Einladungen an Synagogen, jüdische Kultusvorsteher oder Rabbiner ergangen sind, an den Verhandlungen in Paris teilzunehmen. Ferner habe er auch verfügt, Erkundigungen über die Stimmung innerhalb der Judenschaft einzuziehen. Er habe auch, ähnlich wie die übrigen Landeschefs den Auftrag erteilt, den Briefwechsel der Juden, sowie alle auf Privatwegen an sie aus Frankreich gelangenden Briefe zu invigilieren, sowie die sorgfältigste Aufmerksamkeit auf die Reisen der Juden ins Ausland zu lenken 3). 5) Bericht des Jungbunzlauer Kreishauptmannes an Wallis Nr. 534 v. 7. November 1806. 2) Graf Prokop Lazansky (1771—1824) war 1803 Vizepräsident des galizischen Landesguhernium, nachher Gouverneur von Mähren und Schlesien. 3) Von der Polizeihof stelle wurde auch die Brünner Polizei beauftragt, da durch Mähren die Hauptstraße von Wien nach Galizien und Rußland führte, nachzuforschen, ob nicht von Juden Kundschaftsanstalten erhalten 7 7 » werden. Zu diesem Zwecke sollte der Brünner Polizeidirektor geschickte, findige und verläßliche Vertraute auf die gegen Polen und Wien führenden Straßen entsenden, um zu beobachten, ob nicht hie und da Juden offen und 63