Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 1 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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nach seinem Vater, der ein gutbesoldeter Schulsinger in Hagenau war, kein Erbteil zurückgeblieben sei. Seine Reise trat er aber erst im Sommer 1806 an. Er fuhr zuerst nach Regensburg, wo er beim dortigen französischen Gesandten Bacher einen Reisepaß zur Weiterreise erhalten hatte. In Elsaß angelangt, erfuhr er, daß nach seinen Eltern keine Erbschaft verblieben war. Hier besuchte er auch seine Verwandten und da gerade um diese Zeit die Wahlen der Judendepütierten nach Paris stattfanden1), ersuchte er bei seiner Abreise seinen Bruder, ihm von dem weiteren Verlauf der Notabelnversammlung nach Böhmen zu berichten. Er erhielt auch am 30. Oktober 1806 von seinem Bruder Alexander aus Hagenau einen in hebräischer Sprache niedergeschriebenen Originalbericht über die ersten Arbeiten der Notabelnversammlung. Adam Vorsinger machte aus diesem Berichte gar kein Geheimnis, da ja schon ohnehin in den Zeitungen Nachrichten über das Judenparlament in Paris veröffentlicht wurden. Er las daher diesen Brief auch den übrigen Bunzlauer Juden, „wenn sie nach dem Gebet am Sabbath zusammen, um Zeitungen zu lesen oder über Neuigkeiten zu spreche n", vor wobei sie aber immer die Meinung des Straßburger Rabbiners Sinzheim teilten, daß die Juden, wo immer sie auch lebten, nicht um ein Haar von ihren Glaubenssätzen, sowie vom Talmud abgehen könnten. Im Gegenteil, der Jungbunzlauer Schulsinger hatte ohne weiters dem Kreishauptmann von seinen Briefen Mitteilung gemacht und sogar in Aussicht gestellt, seine weiteren Berichte, die er eventuell von seinem Bruder erhalten würde, zur Kenntnis zu bringen. Er ging noch weiter und zeigte dem Kreishauptmann sogar seinen Brief an den Bruder, den er auf die Post gab, in. dem er ihn um weitere Nachrichten über den Verlauf des Sanhedrin ersuchte. Der Jungbunzlauer Kreishauptmann hatte, um sich aber von der Stichhältigkeit seiner Angaben zu überzeugen, den Postmeister beauftragt, den Brief zu öffnen, wobei es sich herausstellte, daß seine Angaben mit dem Inhalt des Briefes vollkommen übereinstimmten. Im übrigen, teilte der Kreishauptmann seiner vorgesetzten Behörde mit, habe die napoleonische Judenpolitik auf die Judenschaft *) Aus Hagenau nahmen an der Notabein Versammlung' teil: 1. Josef Dreyfuß, 2. Rabbiner Hirsch Lazarre und 3. Samuel Wittersheim (Aktenstücke S. 100). 62