Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 1 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 61 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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ten. Ferner solle es seine Antworten, die er allein auf die gestellten Fragen ausgearbeitet habe, sanktionieren. Sinzheim macht besonders interessante Mitteilungen über die Details seiner Verhandlungen mit den napoleonischen Kommissaren. Seinem Briefe schloß er auch die von ihm anläßlich der Geburtstagsfeier Napoleons am 15. VIII. 1806 gehaltene Predigt bei.1) Dieser Brief, der der Polizeihofstelle zur Einsicht übermittelt wurde, konnte selbst dort keine Beanständung hervorrufen. Ja, Graf Sumerau beaufragte den Burggrafen Wallis2), den Brief dem Adressaten, Rabbiner Jeiteles zu überstellen, da es „nicht die Absicht ihrer Majestät sei, die Unterdrückung solcher Briefe zu dulden". Man möge sich nur mit der geheimen Einsicht in diese begnügen und bei der letzteren Manipulation die höchste Vorsicht anwenden, um die Korrespondenten nicht darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Briefschaften eröffnet werden, da selbstverständlich die Behörden in ihren Nachforschungen behindert wären. Was den besonderen Fall des Rabbiners Jeiteles betrifft, so wäre er zu beobachten, seine Antwortschreiben zu inhibieren, um den Inhalt kennen zu lernen. Nicht minder interessant ist der Bericht des Jungbunzlauer Kreishauptmannes, der der Polizeihofstelle eine aufgegriffene Korrespondenz des Jungbunzlauer Schulsingers zur Verfügung stellte. Der Amtsdirektor der Chraster Herrschaft, K i g e 11, hatte der Kreishauptmannschaft die Mitteilung zukommen lassen, daß der Jungbunzlauer Schulsinger von seinen Verwandten in Frankreich Nachrichten über den Verlauf des „Sanhedrin" erhalten und sie an die böhmischen Juden weiterleite. Dieser verdächtige Mann, der den jüdischen Namen Anschel Hirsch trug, nach der Konskription aber den Namen Adam Vorsinger führte, stammte aus Hagenau, im Elsaß und war seit mehr als 20 Jahren bei der Judengemeinde in Jungbunzlau als Vorbeter betätigt. Er hatte, als ihm die Gemeinde diese Stelle kündigte, noch im Jahre 1804 beim Bunzlauer Magistrat einen Reisepaß für sich und seinen zweijährigen Sohn Salomon genommen, um nach dem Elsaß zu gehen und dort eine geeignetere Stelle zu suchen, sowie nachzuforschen, ob 3) Auch abgedruckt in Aktenstücken No. XIV. S. 201—210. -) Sein Schreiben vom li2. 11. 1806 im Archiv des Min. d. Innern Polizeiakten No. 1129. 61