Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 1 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 58 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Ellenbogner Kreishauptmann dagegen teilte mit, daß sich nur der aufgeklärte Teil der Judenschaft für das Sanhedrin interessiere und nur Neugierde sowie Hoffnung auf eine günstige Beeinflussung der politischen Existenz der Judenschaft merken lasse. Schon auf Grund dieses Berichtes wurde der Kreishauptmann vom Prager Stadthauptmann beauftragt, diesen Teil der Judenschaft zu beobachten, sowie darauf zu achten, ob nicht irgendwelche Broschüren unter den Juden verbreitet werden. Anders lautete aber der .Bericht des Olmützer Kreishauptmannes, der die Anzeige erstattete, daß der Proßnitzer Judengelehrte Eleon S a d e k durch einen Mainzer Freund mittels eines separaten Schreibens von der Tagung des Sanhedrins in Paris benachrichtigt wurde. Der Kreishauptmann beeilte sich auch seinem Bericht die diesbezüglichen Korrespondenzstücke beizuschließen. Außerdem beauftragte er den Kreisvorsteher schleunigst Nachforschungen zu erheben, auf welche Art und Weise diese Schriftstücke in die Hände des Proßnitzer Bürgermeisters, der dem Kreisvorsteher die ganze Korrespondenz übergeben hatte, geraten seien, ferner ersuchte er auch um die Mitteilung, ob denn nicht der Adressat vo.n selbst diese Korrespondenzstücke der Behörde zur Verfügung gestellt habe. Er interessierte sich auch, ob die Korrespondenz mit der Post befördert und ob sie bereits von Eleon Sadek beantwortet wurde, falls ja, dann in welchem Sinne. Der Polizeihofstelle selbst war es vor allem daran gelegen, die Unterschrift des Briefschreibers kennen zu lernen. Aus diesem Grunde wurde auch die Einleitung diesbezüglicher Nachforschungen angeordnet. Die Korrespondenz selbst war äußerst harmlos und bot keinen Grund zu irgendwelchen Befürchtungen seitens der Behörde. In dem an Eleon Sadek gerichteten Briefe des Rabbiners von Mainz wird ihm berichtet, d-aß er sicherlich bereits aus Zeitungen über die Schritte unterrichtet sei, die von „unserem glorreichen Kaiser Napoleon" eingeleitet worden seien. Ferner teilte er ihm mit, daß die Judenschaft von Mainz mehrere Monate hindurch zwischen Angst und Hoffnung lebte, da sie einen Sturz der Regierung befürchtete. Aus diesem Grunde bestimmten sie im ganzen Reiche mehrere Büß- und Fasttage und ließen spezielle Gebete verrichten, damit die Absichten der Regierung, die eventuell die traditionellen Grundlagen des Judentums zu erschüttern geeignet 58