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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-09-01 · 1 (September 1930) · p. Seite 44

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
1 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 44 (sequence 46)
Language
German
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halb königlich, halb städtisch; die Gemeindeältesten ernannten ihren „Judenmeister" und auch die Judenältesten. Doch dem Herrn von Rozmitäl gelang es immer wieder, wenn auch nur für kurze Zeit, den Weg zu den Geldern zu finden, welche aus den Quellen der Judenabgaben flößen--Dieses abfällige Urteil scheint uns nicht gerecht zu sein! Der Kompetenzstreit der Kammer mit den Stadtverwaltungen wegen der Juden wurde mit einer ungewöhnlichen Zähigkeit geführt und die Juden mußten sich mit der stärkeren Partei verhalten, wenn sie irgendwelchen Schutz erlangen wollten. Daß sie nicht mit den Mitteln kargten, ist nur zu leicht zu verstehen! Hatten sie doch an dem Herrn ZdenekLev z Rozmitäla einen Schützer und Berater par excellence! Wir wissen nicht, was er nach der Veröffentlichung jenes königlichen Reskriptes für die Juden unternommen hat; so viel steht fest, daß es zu einer Ausweisung der Juden nicht gekommen ist und daß — drei Monate später — am 15. September 1507 — König Vladislav seinem obersten Burggrafen Zdenek Lev z R. schreibt, daß er die Juden wieder in Gnaden genommen hat und daß sie wieder ihrem Handel nachgehen 'können. Er ersucht ihn ferner, die Juden überall dort in Schutz zu nehmen, wo er von ihnen darum gebeten wird, sie nicht zu verlassen, ihnen stets ein guter Freund und Berater zu sein, „wohl wissend, daß du hierin eine dankbare Sache finden wirst.12) —" Die mächtige Hand des Burggrafen hinterließ in der Kulturgeschichte des Prager Ghettos Andenken unvergänglichen Wertes! Hier sei bloß die im J. 1513 errichtete hebräische Buchdruckerei erwähnt, welche dort ohne Bewilligung und die Patronanz des obersten Burggrafen kaum gedacht werden kann. Ferner kann auch der Kauf eines an den uralten Judenfriedhof angrenzenden Grundstückes, welches die „skolnici" (Tempelbediensteten) Ju da'Ka pf i k und Tobias Librnion vom Gerber Vit Cervenka erworben haben13), als ein Akt des Wohlwollens abgesehen werden. (Es ist dies eben jener Teil des Friedhofes, welcher in unseren Tagen der Assanationswut zum Opfer gefallen ist.) Das Prager Ghetto erfuhr ferner zu jener Zeit eine lang angestrebte wesentliche Erweiterung durch den Ankauf zahlreicher Häuser, welche im Kataster der angrenzenden Pfarreien lagen12). Dessen ungeachtet gab es genug jener jüdischen Familien, welche 44

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