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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-09-01 · 1 (September 1930) · p. Seite 42

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
1 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 42 (sequence 44)
Language
German
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Güter sehr beträchtlich. Trotz seiner katholischen Gesinnung blieb Lev z R. dem König Georg treu und ergeben. An diesem Verhältnis konnte auch das päpstliche Interdikt nichts ändern-9). Wie gestaltete sich die Lage der Juden Böhmens zu seiner Zeit? In allen katholischen Ländern sehen wir sie den schärfsten Verfolgungen ausgesetzt. Die religiöse Unduldsamkeit gipfelte schließlich in den Kriegen und Aufständen der Hussiten. Neuzeit- * liehe Forscher10) behaupten den Bestand inniger Zusammenhänge der Juden mit den Taboriten. Die Angst zeugt bekanntlich große Augen und auch die blödeste Verleumdung der Juden fand willig Gehör. Wenn dieses Märchen von der Verbrüderung der Juden mit den Taboriten auf Wahrheit beruht, warum wurde dann das Ghetto im J. 1448 nach dem endgültigen Siege Georgs so fürchterlich gebrandschatzt? Es waren doch die Juden, die „Verbündeten" der Sieger! Georg hat zwar jedweden Raub und Gewalt ausdrücklich untersagt, doch konnte er es nicht hindern, als der kriegerische Pöbelhaufen das Ghetto mordend und plündernd überfiel1). Später, während der Regierung Georgs, hören wir von keinen Ausschreitungen gegen die Juden. Wie man-so im allgemeinen über sie zu seiner Zeit dachte, dürfte so ziemlich in dem Ausspruche des treuen Beraters der Krone, des Priesters Johann Rokycana enthalten sein: „Niemand soll zur Annahme des Christenglaubens gezwungen werden, weder Jude, noch der Heide. Das tat Mohamed! Wer jedoch einmal den (christlichen) Glauben angenommen hat, der soll verhalten werden, bei ihm auch zu verbleiben."7) Lev z R. starb im J. 1485; ihm folgte sein Sohn, Zdenek Lev z R o z m i t ä 1 a, der bereits im J. 1496 an den öffentlichen Staatsberatungen teilnahm. Im J. 1507 wurde er zum obersten Burggrafen bestellt. Er galt allenthalben als das Haupt der katholischen Partei und auch des gesamten Adels, dem er allen Nutzen und Vorteile im Sinne des Zeitgeistes zukommen ließ. Dies geschah wieder auf Kosten der Bürger und der Versklavung der Landbevölkerung. Darum wurde Zdenek von jenen gelobt, von diesen geschmäht. Zdenek Lev z R. war oft der Geldgeber des Königs und diese Schulden des Königs wuchsen beträchtlich, namentlich durch die kostspieligen Repräsentatiorisreisen in Staatsangelegenheiten. Trotzdem er für diese Opferwilligkeit zahlreiche Güter er- 42

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