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Der Jude · 1833-12-31 · Heft 26 (31.12.1833) · p. Seite 211

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 26 (31.12.1833)
Date
1833-12-31
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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211 leu." Wir wollen einmal annehmen, daß wir, die wir durch das Organ der Presse für die Emanzipation streiten, die Sache lediglich oder hauptsächlich als die unsere, aus dem Gesichtspunkte unserer End' behrung belrachteten, so glauben wir doch behaupten zu dürfen, HD es nie einen gerechteren Anspruch, nie einen legUtzmeren Kampf um billigere Interessen gegeben HA als der unsere sein würde. Jener kurze Zeitrachn von 30 bis 40 Jahren, der Hrn. Str. so gar geringe dünkt und den er bis zur Gleichstellung verstreichen lassen will, damit die Gerechtigkeit Heit zum Wachsen habe, ist doch nun einmal ohne unsere Schuld die ganze zugemejsime Zeit unsenr Kraft und unseres Strebens und, wenn es sich auch für die Ewigkeit nur um eine Spanne Zeit handelt, so handelt es sich doch nun einmal für uns um ein ganzes Lebern Es mochte kaum Einer unter uns, den BorkMpfern für die Sache der Gewissensfreiheit, sein, dem' nicht eine und die andere theure Hoffnung, eine und die andere Absicht der erlaubtesten Ehrliebe an der Tyrannei Gewissens - zwingender Gesetze gescheitert wäre. Wir könnten ja freilich leicht das Alles haben, was uns fehlt, wenn wir es an Unwahrheit und Unredlichkeit dem Gesetze gleich thun, wenn wir die Religion auch wie eine Staats-Uniform betrachten wollten, die man anlegt, wie die Livres seines Herren; aber wir verschmähen es. Wir bringen alle jene Opfer willig und freudig und ohne das Bedenken eines Augenblicks; aber wir bringen sie, weil wir durchdrungen sind von der Größe der Idee,, welcher wir sie darbringen, nicht, weil wir ihren Werth nicht erkennen. So jung wir auch Hrn. Str. erscheinen mögen, ft, sind wir doch zu alt, um die theuersten Güter des Lebens aus Laune, wie Kinder ihr Spielzeug zerbrechen, hinzugeben. Wir wissen so gut wie Andere, was es bedeutet, auf eine der Kraft angemessene Wirksamkeit,im praktischen Leben, auf eine Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, wozu Beruf Wd Neigung leiten, zu verzichten. So unendlich gering uns diese Opfer erscheinen, wenn Mr sie gegen die Größe der Ideen der Wahrheit und der Freiheit halten, welche sie erheischen, so sehr groß, dünken sie uns, gegen jedes andere Gut, gegen jedes andere Verhättniß des Lebensja, wir gestehen es ogen, gegen das Leben selbst gehalten. Es giebt keinsHgrühseligkeit, keine Gefa^ auf der Erde, durch die wir uns scheuen würden, diejenige Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetze zu erkaufen, die wir nur durch eine Lüge zu erkaufen verschmähen. Gebt uns Gelegenheit, statt der Feder das Schwerdt für diese Freiheit zu führen, statt der »Dinte unßw Blut dafür zu verspritzen" und wir würden uns nicht lange bedenken; wir würden Den für einen Thoren halten, der da die Gefahr des Lebens* scheuen wollte, wo er sie kostbarsten Güter des Lebens willig geopfert har. Ja,,gerade dann, wenm wie die Sache von dem Gesichtspunkte auffaffen, wel,^ cher uns durch die. Thorheit unserer Gegner aufgedrung'en wird, wenn wir unsere Stellung und un-§ se re Interessen ins Arme fassen, isolirt von denjenigen, für welche die Frage des Rechts eine materiell geringere Bedeutung har, so erscheint sie uns in ihrer grellsten Gestalt, auf welche unsere Gegner besser gethan hatten, uns nicht hinzuleiten. Wir werden Alle als Uncerthanen eines Gesetzes geboren, zu dem wir um unsere Zustimmung nie gefragt worden und welches auf unseren Gehorsam nicht anders einen verG nünftigen und dem ewigen Rechte der Natur gemäßen Anspruch zu machen hat, als weil es sich faKn kann, daß es an Opfern unserer natürlichen Kraft und Freiheit weniger von uns fordert, als es uns durch seinen Schutz gewahrt. Mas kann es auch mit gutem Gewissen allen anderen Menschen gegenüber sc^ gen, nur uns gegenüber nicht; denn die Opfer, die es von uns erheischt, sind so übermäßig, die BeschrämG kungen, die es uns in dem freien^Gebrauch unserer natürlichen Kräfte und Fähigkeitendauferlegt, verzehren so sehr die größere Hälfte unserer Ansprüche an das Leben und seine Güter, daß wir keinen besseren Tausch eingchen könnten, als wenn tgr gegen die Lösung der Fesseln des Gesetzes auf seinen Schutz verzichteten. Wir wären also durch die isolirte Betrachtung unserer Interessen sogar zu dem Wunsche berechtigt, daß die Herrschaft de^Gesetzes, welche für uns nup eine Herrschaft der Gewalt ist, fallen und das Reicl> der ungeschützt, aber auch ungebunden waltenden natürlichen Kräfte an seine Stelle treten möge: das ist die Antwort, die wir Denen zu geben haben, die uns in Nachtheil zu setzen meinen, wenn sie die Sache mit Gewalt zu einer persönlichen für uns machen.

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