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Der Jude · 1833-12-31 · Heft 26 (31.12.1833) · p. Seite 210

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 26 (31.12.1833)
Date
1833-12-31
Page
Seite 210 (sequence 6)
Language
German
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210 der Ewigkeit hinüberragte, und sie von der anderen auch nur mit einer Wurzel an der Erde, an der Zeit haftet, so muß sie in der Zeit aufgefaßt, muß von der Stimme des Tages besprochen werden. Ich bin von dem vorliegenden Gegenstände weiter und langer abgeschweift, als es passend scheinen möchte und doch treibt mich das Gefühl eines innir' gen inneren Zusammenhanges, diese Abschweifung noch weiter zu verfolgen. Zn der That fühle ich mich durch so viele mir theuere Beziehungen mit den Verfassern und mehr noch mit dem Geiste jener geschmähten Zeitungsartikel innig verwandt, daß ich, obgleich meine Arbeiten sich der Form und namentlich — vielleicht zu meinem Nachtheil — der Dimension nach von den ihrigen unterscheiden, doch ihre Sache völlig als die weinige und mich durch jene Schmähungen gleich ihnen als verleM betrachten muß. Ich bin stolz darauf, mich zu jenen „Tagesschriftstellern" zu zählen, auf die Hr. S t r. so geringschätzend herabsteht. Za, wir nehmen die Bezeichnung, womit er uns schelten will, in ihrer ganzen Bedeutung an; wir danken ihm für dieses Wort und wir wollen ihm unseren Dank dadurch bezeigen, daß wir ihn des möglichst scharfen Gegensatzes willen zu Dem, was er verschmäht, den Schriftsteller der Nacht nennen. Za, die Schriftsteller des Tages, das sind wir, das wünschen und streben wir zu sein in jedem Sinne des Wortes. Der Tag ist das Licht und nach dem Lichte ringen, für das Licht streiten wir; der Tag ist die Zeit und-die Gegenwart und in ihr leben, für sie fühlen wir. Wir tragen die Farben des Jahrhunderts: es sind die Farben der Freiheit! Wir kämpfen die Kämpfe des Jahrhunderts : es sind Re Kämpfe der Freiheit! Wir sind unrerthan dem Gmste und dem Gedanken des Jahrhunderts: es ist der. Geist und der Gedanke der Freiheit! Die Symparhieen, die Hoffnungen und Schmerzen des Jahrhunderts durchglühen unsere Seele» mit ihrem unbezwinglichen. Feuer : es sind die Sympathieen, die Hoffnung^ und die Schmerzen der Freiheit. Die Freiheit und Ms Recht werden siegen, das wissen wir wohl; aber.sie sollen jetzt siegen, ihre Gegner sollen jetzt in der'Schmach der Lüge vergehen vor der Sonne der WaMheir; wir und Die, die wir lieben und Alle, die die Freiheit lieben, sollen sie erleben und genießen; ein Augenblick des Sieges früher ist Tausend bessere Leben, als die unseren, werth. Wenn all unser Streben und Ringen einen solchen Augenblick gewinnt, so sind wir überreichlich belohnt für unser Mühen. Die Ewigkeit bedarf der Liebe und der Sorge nicht; aber die Zeit, der Tag, die Menschen, die bedürfen ihrer. Wenn es all' unserem Thun nur gelingt, den Schmerz des Tages zu lindern, den Haß des Tages zu besiegen, die Gemüther, die unter dem lastenden Drucke und dem Unrecht des Tages erliegen, mit Muth und Vertrauen zu beleben, daß sie nicht untergeheu im Verzweifle» an der Freiheit, wenn dann auch nur der flüchtigste Abendgruß des Dankes uns die Mühe des Tages lohnt, so haben wir genug gelebt und sindHesriedigt. Möge man dann die Schrift- - steller des Leidenstages gerne vergessen, wenn der Tag der Freiheit und der Freude angebrochen! Wir machen keinen Anspruch auf Unsterblichkeit und wollen das Gedächtniß unserer Kämpfe gern im Schoße der Vergessenheit ruhen lassen mit der Schmach der Unterdrückung, gegen die sie gerichtet waren. Aber eben diese heftigen Kämpfe, diese unausgesetzten Angriffe, die Gluth unserer Überzeugungen sind selbst ein Gegenstand von Vorwürfen, auf die unsere weltklugen Gegner immer zurückkommen, wenn sie gegen unsere Gründe nichts weiter zu sagen wissen. Hr, Str. insbesondre scheint zu fordern, daß wir die Sache ganz auf sich beruhen lassen und ihre Betreibung lediglich zunächst dem Wachsthum und ^ann den Arbeiten einer geheimen Gesetzgebung überlassen, ohne irgend zu versuchen, die Macht des Wortes tu die schwankende Wagschale zu legen Das muß wohl der rechte Sinn seiner Zm muthung sei«:; denn sonst konnte er unmöglich alles Dasjenige, was mit der größten Verschiedenheit in Ton, Farbe und Ausführung in dem betreffenden Zeitungsstreite in unserem Sinne geschrieben worden, ohne Sichtung und Unterschied in einer gemeinsamen Verwerfung zusammenmischen, Einzelnes kaum mit seinem Tadel berührend. Er legt dabei, wie schon Andere vor. ihm gethan, großen Werth darauf, daß es unsere eigene^Sache ist, die wir vertheidigen, ja er spricht an einer Stelle von einem „persönlichen Interesse, welches besser hatte verborgen werden fol-

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