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Der Jude · 1833-12-31 · Heft 26 (31.12.1833) · p. Seite 212

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 26 (31.12.1833)
Date
1833-12-31
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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212 Aber alle Diejenigen, die unseren Bestrebungen ~~ ich glaube hier im Namen Vieler reden zu dürfen — einige unpartheiische Zlufmerksamkeit gewidmet yaben, werden uns wohl die Gerechtigkeit widerfahren lassen, anzuerkennen/ daß wir aus eignem Antriebe die Frage der Emancipakion nie aus diesem beschränkten, wie wohl vollkommen rechtmäßigen Gesichtspunkte betrachtet, daß wir sie vielmehr stets als eine Frage der CivMsatr'on behandelt haben, welche mir alr" len Interessen dieser und mit den Grundsätzen, welche das Wohl Hunderttausender bestimmen, nahe zusammenhängt. Daß wir sie in diesem Zusammenhänge mit alter Wärme, deren unsere Seele fähig ist, auffassen und erörtern, daß wir nicht, als sei von etwas Gleichgültigem, von einer Frage der Convenienz die Rede, Hedes harte Wort umgehen und die süßesten Redensakken aussucherr, daß wir vielmehr jedes Ding Hei'm , rechten ^Namen nennen und, wenn es Noch thur, Keinen schonen, der uns Wir der Beschönigung des Unrechts in den Weg tritt/' das kann stur bei Solchen, deren Gemüth jeder edleren und heftigeren Regung unfähig ist, Befremden erregen oder uns Tadel zuziehen; bei Anderen werden wir, auch wenn uns unsere Hitze einmal zu weit fortrisse, leicht Verzeihung finden. Oder ist es in Deutschland etwa nur erlaubt^ bei philologischen und antiquarischen Streitigkeiten heftig und allenfalls grob zu werden, wie es Ans die achtbarsten Muster gelehrt haben? Die großen Männer Deutschlands sind in eine kleine, enge Zeit gerarhen, wo sie die Gluth ihrer Seele in kleinlichen Streitigkeiten verzehrten. Der größte Deutsche des vorigen Jahrhunderts hat die mächtige Fülle feines Zornes an Kontroversen über geschnittene Steine 4 und übersetzte Oden verschwendet. Die großen Ideen ter Freiherr aber hat er leise hingehauchr, wie das Lehen der Morgenluft, weil die schwache Zeit ihre Sturmesgewalt noch nicht hatte ertragen können, Hveil sie noch einsame Morgenrräume des Weisen waren, welche die,kräftige Gestalt des Lebens und der Geschichte noch rWht angenommen Haltern Wir kleinenGeister dagegen sind in eine große, gewaltige Zeit gekommen, wo die Ideen der Freiheit, des ewigen Rechts mrd der Menschenwürde in das Leben getreten und gewaffnet "und zum Kampfe gerüstet einherschreiten, ivMüe heiligsten Fragen der Menschheit die Polemik der Literatur bewegen und beseelen. Und wenn nun der Mächtige Geist dieser Zeit ihre schwachen Trabanten und^herolde manchmal überwältigte und sie zu wildem Wtzestüm oder zu keckem Muthwillen in der VertheidLgung der guten Sache fortriffe: soll uns im Kampfe für die höchsten sittlichen Güter Das nicht nachgesehen werden, was Jene sich in nichtigen Streitigkeiten erlauben durften 7 Sollen wir gegen Streckfuß nicht Ln ähnlichem — freilich in viel milderem — Tone schreiben dürfen, wie Lessi n g gegen Klotz und Lange geschrieben? Sollte untergeordneten Geistern im Streite um das Höchste nicht vergönnt sein, was die erhabensten im Streite um Unbedeutendes nicht unterlassen haben? Unsere Bitterkeit gilt der Sache, — und diese verdient sie — nich^ der Person, die sie vertritt; Hdenn aber ein Theil davon von selbst und unausbleiblich auf diese zurückfällt, so ist das nicht unsre Schuld. Wir hassen unsere Gegner so wenig, wie man die Person des unbekannten Feindes haßt, der Einem ist der Schlacht gegenüber steht; aber wir schonen sie auch eben so wenig, bis sie die Waffen niedergelegt und den Kampfplatz verlassen haben: denn eine solche Schonung wäre Pfiichcvergessenheit. Wir haben bis jetzt keine Ursache, die begonnenen Kämpfe zu bereuen: denn sie, haben unserer Sache und uns selbst die Sympathie mancher edlen Seelen erworben und Alles, was rein und edel und freien Geistes ist in unserer Zeit, tritt immer mehr und mehr auf unßere Seite; das aber ist der einzige wahre Weg zum Siege; das sind die Bundsgenossen, durch deren Hülfe wir den Widerstand der Bosheit und der Gemeinheit überwinden müssen. Wenn daher wirklich nach der traurigen Prophezeihung unseres Gegners noch Jahre vergehen, bis der Grundsatz der Gewissensfreiheit gesiegt hat, so sollen es nicht Jahre träger Ruhe, sondern. es sotten Jahre des rühmlichen Kampfes für uns, der Schmach für unsere Gegner sein, so wollen wir den Göttersaal der Freiheit nicht durch müssiges Zusehen, sondern durch rüstige Arbeit, durch die Erlegung der tausendköpfigen Hyder der Verläumdung, durch Wegräumung der Schmuhmassen des Eigennutzes und des Neides erklimmen. Der oben angeführte Schriftsteller der Berliner Monatsschrift giebt uns den Trost, daß wir die Decier einer besseren Zukunft seien. Wir nehmen die Bezeichnung an, jedoch in unserem, schwerlich in seinem Sinne. Die Decier haben gekämpft, das wollen wir auch; sie sind erlegen in dem Kampfe für die siegende Sache der Freiheit, auch dazu sind wir bereit. Aber wir wollen nicht, wie Kurtiusse, einem thörichten Aberglauben zu gefallen, uns in müsflgem, thatenlosen Untergange begraben, damit die Orakel einer falschen Weisheit in Erfüllung gehen, hie dem Menschengeiste den raschen Entschluß des Guten, die Einheit des Gedankens der Gerechtigkeit und der Freiheit, der zur unmittelbaren That wird, nicht zuzutrauen vermag! .darüber Diese Zeitschrift wird von nun an in etwas verändertem Plan in zwanglosen Heften erscheinen wird seiner Zeit bekannt gemacht werden; einstweilen nehmen alle Buchhandlungen Bestellungen an. 3. F. Hammeri Gedrückt bei HarrrnreriK und LeSser i« Altona.

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