Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1833-12-24 · Heft 25 (24.12.1833) · p. Seite 203

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 25 (24.12.1833)
Date
1833-12-24
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2542348-2542349-2542375--468-3526991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

203 30 bis 40 Zähren so gut aufrecht erhalten werden müssen, wie jetzt: denn die Wahrheit bleibt dieselbe; widerspricht es aber der Moral und der Religion, so muß es mit seiner Wurzel ausgerottet werden: denn von einem auszurottenden verderblichen Unkraut, das die gute Saat am Gedeihen hindert, nicht von einer neu anzulegenden Pflanzung handelt es sich hier und was Heute ein Unrecht ist, wird nach einem Menschenalter fein größeres sein. Möglich freilich, daß unser Gegner in der Thatsache Recht behält, möglich, wenn gleich sehr unwahrscheinlich, daß das Reich der Lüge und des Gewissenszwanges noch ein Menschenalrer hindurch seine Herrschaft behaupten wird, daß das System des Glaubensdesporismus in Spanien durch die Inquisition, in Preußen durch die Bestechung, welche die Privilegien des herrschenden Glaubens bieten, noch 30 oder 40 Zahre lang aufrecht erhalten werden und dann erst dem Gedanken der Gewissensfreiheit weichen wird! Aber auch durch diesen traurigen Erfolg würde nur die Unglücks-Prophezeihung, keineswegeö die Ansicht unseres Gegners gerechtfertigt werden. Denn was Heute ungerecht ist, würde darum in 30 Zähren nicht um ein Haar breit ungerechter, was Heute wahr ist, nicht um ein Haar breit wahrer, nur die Erkenntniß des Wahren und des Rechten würde allgemeiner geworden sein; in den Verhältnissen zwischen Recht und Unrecht, zwischen dem Nützlichen und Schädlichen würde sich gar Nichts, nur in dem Zahlenverhättniß der richtig zu den falsch Denkenden, der edler Gesinnten zu den Neidischen würde sich Vieles geändert haben. Vor Allem müßte die herrschende Kirche selber zu der Erkenntniß gelangt sein, .daß ein System des Privilegiums und der Unterdrückung unter ihrer Würde ist: denn so lange sie diese Erkenvtniß nicht gewonnen, wird sie, wie auch die Verhältnisse sich gestaltet haben, wieviel Liebe, Achtung, Vertrauen sich auch die Bekenner eines abweichenden Glarckens erworben haben mögen, nie in ihre Gleichstellung willigen: aus jener Erkenntniß aber geht die rechtliche Gleichstellung unter allen Verhältnissen und zu jeler Zeit mit unabweislicher Nothwendigkeit hervor - Diese Betrachtung, indem sie auf die Art der Behandlung der Emanciparionsfrage durch die Gesetzgebung und somit auch aus die Einwirkung der Literatur auf die Arbeiten dieser zurückführt, bringt mich dem letzten Punkt, den ich an der S tr.schen Schrift zu erörtern habe, der aber in ihr nickst der letzte, sondern vielmehr der Ausgangs - Punkt ist, ganz nahe. Es ist bekannt, daß die S t r.sche Schrift dem berüchtigten Entwürfe der Leipziger Zeitung und den gegen denselben in vielen Journalen gerichteten polemischen Artikeln ihre Entstehung verdankt; die Vorrede zu derselben ist daher verschiedenen Andeutungen über jene Entstehungs - Geschichte und vor Allem der Verunglimpfung jener polemischen Artikel und ihrer Verfasser gewidmet. Da, so viel ich weiß, noch keiner von den Gegnern des Hrn. S tr. die volle Rechtfertigung jener Artikel übernommen und den Dank und die Achtung, welche ihre Verfasser nach meiner innigsten Ueberzeugung verdienen, hinlänglich ausgesprochen hat, vielmehr Manche, ich weiß nicht warum, sich die Mine gegeben haben, den Inhalt und den Ton derselben mit einiger Vornehmheit zu desavouiren, so kann ich nicht umhin, diese Sache, an welche sich manche interessante Betrachtung knüpft, etwas ausführlicher zu besprechen. Zuvörderst müssen wir Hrn. Str. in einer Beziehung für jene Vorrede unseren Dank abstatten. Er läßt es sich nämlich angelegen sein, uns in dem Eingänge der Schrift selbst die Versicherung zu geben, daß er auf einem hohen unpartheiischen Standpunkte über den Partheien stehe. Um diese Partheien, über denen er steht, in einer recht scharfen Antithese, wie er sie zu lieben scheint, zu bezeichnen, erzählt er uns sogar, daß blinder Judenhaß und blinde Zudenliebe einander auch unter den Christen schroff und feindlich entgegentreten: wobei wir die Bemerkung nicht unterdrücken können, daß wir auch bei den wärmsten Vertheidigern der Emancipation wohl in gewissem Sinne eine blinde Rechtöliebe — d. h. eine solche, weiche über allerlei Erbärmlichkeiten, die sich dem Rechte entgegenstellen, * verachtend hinwegsieht — von einer blinden Zudenliebe aber auch nicht die leiseste Spur wahrzunehmen vermocht haben. Damit nun aber einfältige Leser nicht seiner Versicherung trauen und auf die Unparteilichkeit seiner Ansichten allzugroßes Gewicht legen mögen, ist er so gut gewesen, in der Vorrede bereits so Viele Galle auszuschüt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.