Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1833-12-24 · Heft 25 (24.12.1833) · p. Seite 202

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 25 (24.12.1833)
Date
1833-12-24
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2542348-2542349-2542375--467-3526990
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

202 schengeiftr^ kM, vollendet und makellos und unveränderlich in ihrem Wesen seit dem Anbeginn der Dinge und wenn sie anerkannt worden , dann bekämen sie durch ihre innere Macht und durch die Kraft ihrer begeisterten Jünger und Bekenner das Unrecht und die Knechtschaft, um sie zu vertilgen von der Erde, nicht um sie durch Wachöthum und Entwickelung in das ihnen Entgegengesetzte übergehen zu lassen: denn das können sie nicht und werden sie nicht. Knechtschaft und Freiheit, Unrecht und Recht, verhalten sich nicht wie Knospe und Blume, wie Blüthe und Frucht, daß das eine sich aus dem Anderen entwickeln könnte, eben so wenig wie sich Böses und Gutes, Sünde und Tugend so zueinander verhalten; sie verhalten sich wie unversöhnliche Gegensätze, wo Eines dem Anderen weichen und ihm unterliegen muß. Wer da fordert, daß die natürliche Gleichheit vor dem Gesetze, die Freiheit der Gewissen wiederhergestellt werde, der fordert nicht etwa die Schöpfung eines bestimmten organischen Lebens, daß man ihm die Frage stellen könnte, ob auch die unabweistichen Bedingungen dieses Lebens und seiner Lebensfähigkeit vorhanden sein, sondern er fordert nur, daß eine grausame Hemmung hinweggenommen werde, wodurch eine schnöde Gewalt die naturgemäße Entwickelung der Lebenskräfte und der Lebensverhältnisse unterdrückt: dazu aber bedarf es keiner Pflanzung und keines Wachsthums und keines Düngers von schmutzigen Vorbereirungögesehen. Durch die Gleichstellung wird unserem Arme keine Starke, unseren Nerven keine Spannkraft, unseren Seelen keine Fassungskraft und keine Tiefe, unseren Personen kein Vertrauen verliehen oder beigemeffen; ob und in welchem Grade wir das Alles besitzen, ist für die Frage der Unterdrückung und der Freiheit völlig gleichgültig; es soll nur die schmähliche Fessel gelöst werden, welche die wirklich vorhandene Kraft, gleich viel ob groß oder gering, in ihrer freien Wirksamkeit hemmt, welche das wirklich vorhandene Vertrauen sich auszusprechen hindert. Hie Besorgniß, daß die entfesselte Kraft zu gering sein möchte, um uns selber zu nützen, ist eben so lächerlich, als die entgegengesetzte, daß sie zu groß sein möchte, um nicht den Neid der ehemals Privilegirten zu wecken, gemein ist. Wenn Einer Jahre lang in ungerechter Gefangenschaft an Händen und Füßen geschloffen gewesen und nun die Lösung seiner Ketten fordert, wer wird da den Hohn bis zu solcher Frechheit treiben mögen, daß er erst untersucht, ob die entfesselten Arme und Beine auch zum Arbeiten und zum Einherschreiten Kraft haben, ob die der freien Lust entwöhnte Brust auch ihren frischen Athem noch ertragen könne? Und wäre er auch gelähmt durch Eure Grausamkeit für immerdar, und wäre auch der Hauch der frischen Lust , ihm Tod bringend, Ihr müßtet ihm doch seine Bande abnehmen und ihn frei ziehen lassen. —- Der Erkenntniß des Grundsatzes muß seine Vollziehung, der Anerkennung des Rechts seine Gewährung folgen, wenn nicht Wahrheit und Ehre preisgegeben werden sollen. Wer uns das Prinzip der Gewissensfreiheit nicht zu bestreiten wagt und doch seine Verwirklichung um ein Menschenalter hinausschieben will, ist eben so lächerlich und eben so verächtlich, wie der Sünder, der das Unerlaubte seiner Handlungsweise bekennt und sich nur einige Jahre Frist ausbittet, um sich allmälig und gemächlich der Sünde zu entwöhnen, damit die Pflanzung der neuen Tugend in einem Boden, der von Natur nicht dazu geeignet und dyrch Kultur nicht dazu vorbereitet ist, gehörig Wurzel schlagen könne. Von einer solchen Besserung ist'gerade so viel zu halten, wie von einer solchen Befreiung; wer über beide nachgedacht hat, der weiß, daß der Gedanke der Tugend, wie der der Freiheit und der Gerechtigkeit uns mit seiner ganzen Wahrheit durchdringt, mit seinem ganzen Lichte erhellt oder uns ganz verborgen bleibt, daß, wenn wir dem Guten aufrichtig nachstreben, die Langsamkeit der Erreichung nur an unserer Schwäche, nicht an dem selbstbewußten Vorsatze der Zögerung liegen dürfe. „Soll das Bekenntniß der herrschenden Religion mit äußerem Bortheil und . Ehre verknüpft werden?" — Das ist die einfache Frage, die hier vor Allem mit „Za" oder „Nein" beant, worter werden muß, wenn der Streit redlich geführt werden soll, auf die uns unser Gegner aber in seiner ganzen Schrift die Antwort schuldig bleibt und die er auch am Schluffe durch das Geschwätz von Wurzeln und Pflanzungen zu umgehen weiß. Ware ein solches Privilegium gerecht und sittlich und in dem Wesen der Religiou begründet, so würde es in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.