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Der Jude · 1833-12-24 · Heft 25 (24.12.1833) · p. Seite 200

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 25 (24.12.1833)
Date
1833-12-24
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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200 Aber sollte nicht jene Charakteristik einer eigen; thümlichen Narrheit, an deren Darlegung Hr. S t r. ein solches Behagen findet, daß er sich nicht scheut, sein bestes Argument damit todtzuschlagen, uns einigen Nutzen gewähren können? sollte nicht irgend eine gute Lehre daraus zu ziehen sein? Wir wollen versuchen, der Quelle jener Narrheit etwas näher auf die Spur zu kommen, wenn wir gleich einsehen, daß dieses Beginnen nicht zu den leichten gehört, da die geheimen Ursachen der Seelen-Verirrungen noch viel tiefer liegen, als die der Krankheiten des Körpers und kein leitender Faden schwerer zu finden ist als der in das Labyrinth der menschlichen Thorheiten. — Zuvörderst wird Hr. Str. schwerlich in Abrede stellen wollen, daß die Anhänglichkeit an ihre Religion eben nicht zu den Eigenthümlichkeiten jener Narren*) gehört, daß vielmehr zu den Moden, welchen fle sich mit Eifer anschließen, die Annahme der herrschenden Religion so gut wie irgend eine gehört. Sollten sie etwa durch diesen Schritt gescheidter werden, so würden wir Hrn. Str. für die nähere Nachweisung eines solchen Erfolgs recht dankbar gewesen sein. Schon jene Thatsache bringt uns der Erkennttuß, die wir suchen, einen Sckritt näher und berechtigt uns mindestens zu der Behauptung, daß die Schuld jener Narrheit nicht dem Judenthume zugeschrieben werden würde, da sie sich uns gerade auf dem Standpunkte der Entfremdung und der Losreißung von demselben darstellt. Dieses möge zum Ue- Hergänge zu der Darlegung unserer Meinung von der Sache dienen, welche folgende ist. Wenn die Narrheit eines Menschen überhaupt in der Verkennung und in der Verlaugnung seines moralischen und intellektuellen Verhältnisses zu den Menschen und zum Leben liegt, so liegt die Narrheit Jener in der Verkennung und Verläugnung derjenigen Stellung, in welcher sie sich eben als Juden befinden, in der Verkennung derjenigen wahren Würde, derjenigen wahren Bestrebungen, in denen sie ihren Werth und die Ausgleichung des Mißverhältnisses, unter dem sie leiden, suchen sollten. Weil |jan es ihnen so oft vorgesagt, daß die Bekenner des herrschenden Glau¬ *) Wir ersuchen unsere Leser, die Schilderung bei Str. S. 25—27 nachzulesen. bens besser sein, als ihre Glaubensgenossen, so haben die armen Thoren daran zu glauben angefangen und haben nun, anstatt schlechthin darnach zu streben, besser und weiser zu werden, nichts Besseres zu thun gewußt, als sich abzumühen, es der Mehrzahl Jener gleich zu thun und so sind sie ganz konsequenter Weise anstatt besserer Menschen — Modenarren geworden ohne Wahrheit und ohne Selbstständigkeit. Weil ungerechter Haß und unverdiente Schmähungen, denen die Kraft ihrer Seele nicht gewachsen war, sie früh zu einer Art von Verzweiflung über ihre Abkunst und ihren Glauben getrieben, weil sie nicht erkannt, daß Liebe genug in der Fülle der Menschennatur enthalten ist, um allem Haß der Erde endlich obzuflegen, haben sie in thörichtem Wahne versucht, jene Abkunft und jenen Glauben selbst zu vergessen und Andere vergessen zu machen und bei dem sinnlosen Beginnen ist ihr Verstand am Ende in Gaukelei und Eitelkeit untergegangen. Anstatt all das Unrecht des boshaften Hasses gegen eine schuldlose Gesammkheit zu erkennen, der die Farbe der Verachtung nur ablegt, um die des Neides dafür anzunehmen, anstatt jede Kraft, jede Fähigkeit aufzubieten, um jenen Haß zu bekämpfen und alle Persönlichkeit willig in diesem Kampfe aufzuopfern, haben sie die heilige Sache Aller verrathen für eine scheinbare individuelle Amnestie, buhlen nun um die Gunst der Unterdrücker und kriechen vor ihnen, um als Ausnahmen von der Gesammtheit, die sie preisgeben, anerkannt zu werden- Auf diese Weise haben sie den Schwerpunkt. männlicher Würde, den Mittelpunkt eines ächt menschlichen Strebens verloren und taumeln hin und her in haltloser Narrheit und werden verspottet von Denen, vor denen sie sich beugen und Denen sie sich anschmiegen möchten. Aber gerade diese sind nicht berechtigt, ihrer zu spotten; denn ihr Haß ist es, der auch jene Thorheit verschuldet hat; weil jene Armen sich von einem unverschuldeten Vorurtheile verfolgt sahen, welches die Kraft ihrer Seele überwältigte, darum gewöhnten sie sich, fich selber geltend zu machen und mir ihren Vorzügen zu prunken, wo es ihrer Schwache vergönnt war; darum sind sie so eitel und dabei so muthlos geworden. Wenn unsere Gegner einer jüngeren Generation die Krafd und die Heftigkeit verübeln, mit

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