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Der Jude · 1833-12-24 · Heft 25 (24.12.1833) · p. Seite 199

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 25 (24.12.1833)
Date
1833-12-24
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 wenn er anstatt »zwei" gesagt hatte „hundert" oder „unzählige", so viele nämlich, als es verschiedene Eigenschaften und Stellungen der Menschen giebt. Es giebt kluge und dumme, rohe und gebildete, reiche und arme, redliche und unredliche, fleißige und faule Juden, es giebt solche, die ein nützliches und ordentliches, solche, die ein unnützes und unregelmäßiges Gewerbe treiben. Wir haben dagegen Nichts einzuwenden, als die bescheidene Bemerkung, daß alle diese und alle ähnlichen Unterscheidungen auf gleiche Weise auch unter den Christen Statt finden und daß die Gesetzgebung eben dazu bienen soll, um die durch jene Grundverschiedenbeiten erzeugte Mannichfaltigkeir der Verhältnisse durch die Einheit des Rechts zu beherrschen und seiner strengen Unpartheilichkeit zu unterwerfen. Wenn wir nur auf dies eine Begehren immer von Neuem zurückkommen, daß man ein jedes Verhältniß aus dem gleichen Gesichtspunkte betrachte, es mag uns oder die Bekenner des herrschenden Glaubens betreffen, daß man den jüdischen Kaufmann, Gelehrten, Handwerker wie den christlichen, den jüdischen Trödler, Hauflrer, Vagabunden, Bettler wie den christlichen nach den Gesetzen behandle, welche die höchste Gewalt im Staate für alle diese Verhältnisse anzuordnen für gut befunden, und wenn man uns gegen dieses Begehren einwendet, daß die Stellungen, welche wir in der bürgerlichen Gesellschaft einnehmen, zu verschieden seien, um uns, abgesehen von der Religion, unter ein einfaches Gesetz zu stellen, so dürfen wir mit Recht an der Redlichkeit oder an dem gesunden Menschenverstände Derer, die die Einwendung machen, zweifeln. — Hr. Str. hat sich das Vergnügen gemacht, als eine Unterart der Juden erster Klaffe, also der Vortrefflichen, die das Gesetz Privilegien soll, die Narren oder, wie er sie nennt, „die eleganten Juden" hervorzuheben. Die Schilderung ist recht gelungen zu nennen und Hr. Str. zeichnet sich durch diese Parthie vor allen Schriftstellern aus, welche die Emancipationsfrage ernsthaft behandelt haben; nur bei den Possenreißern z. B. bei dem Verfasser von um strem Verkehr, von der Frankfurter Messe sind Darstellungen von ähnlichem Werthe zu finden. Hr. Str. muß übrigens zur Entwerfung dieser Skizze an diesem Orte entweder durch einen unwiderstehlichen Hang zur komischen Charakterzeichnung oder durch die blinde Lust, irgend eine Privat - Malice zu befriedigen, hingerissen worden jeirr^Henn-Hje kleinste Dosis von vernünftiger Ueberlegung hatte ^s^ihm "klar machen müssen, daß kein Gegner die innere Leerheit und Erbärmlichkeit seiner Theorie in ein helleres Licht setzen könnte als durch die Nachweir sung, wie die jämmerlichsten aller Subjekte nothwendig zu der privilegirten Klaffe des Gesetzes gehören. In der Charakteristik selbst, die aus den oben angeführten Lustspielen ziemlich bekannt ist, haben wir nur Einen Zug durch eine eigenthümliche Unverschämtheit originell und der Beachtung werth gefunden. Hr. Str. wirft nämlich seinen eleganten Juden vor, daß „sie die in christlichen Passions-Musiken etwa vorkommenden Verwünschungen gegen die Juden beifällig anhören oder selbst mit absingen." Daß Verwünschungen ein so nothwendiger Bestandtheil der Texte zu christlichen Kirchenmusiken sind, daß man sich nicht an ihren Harmonieen erfreuen und an ihrer Ausführung Theil nehmen dürfte, ohne irgend Jemanden im Herzen zu verwünschen, das habe ich bis jetzt nicht gewußt und mag es arH jetzt noch der „ Religion der reinsten Liebe" nicht zu trauen; das aber weiß ich, daß, wenn in kirchlichen Texten Verwünschungen Vorkommen, nur Die zu tadeln und zu beklagen sind, in deren Gottesdienst sich der Haß eingenistet, nicht aber Die, die gebildet genug sind, um den Aberglauben und den Fanatismus zu verachten und über der Herrlichkeit der Töne das Tadelnswerthe der Worte zu vergessen; das weiß ich, daß, wenn in unseren gottesdienstlichen Musiken Verwünschungen gegen die Christen vorkämen und wir die unerhörte Keckheit hatten, uns damit zu brüsten und Diejenigen zu schmähen, die sich an der Musik erheben, unbekümmert um den elenden Text, der sie besudelt, — daß dann Hr. Str. und eine ganze Heerde von Schriftstellern nicht Schmähungen genug für die Frechheit unseres Fanatismus würden finden können. Hoffentlich wird sich übrigens durch jenen abgeschmackten Sarkasmus kein verständiger Kunstfreund unter unseren Glaubensgenossen abhalten lassen, nach wie vor, an guter Kirchenmusik Freude zu finden, ohne sich durch die etwanigen Verwünschungen im Texte irre machen zu lassen. 26*

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