Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1833-12-24 · Heft 25 (24.12.1833) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 25 (24.12.1833)
Date
1833-12-24
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542348-2542349-2542375--463-3526986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

198 dem Höheren zugewandt sind. Die erste dieser Ideen hat ihr Streben und ihre Wirksamkeit gefunden in der Befreiung und Belebung des Gottesdienstes durch die Einführung der Sprache, in welcher allein sich die Seele des Menschen ohne Zwang in voller Freiheit des Gedankens und der Empfindung bewegt, der Muttersprache: wir haben gesehen, wie von den Klienten oder den Patronen unseres Gegners dieses Streben gewürdigt und behandelt worden. Die zweite kämpft um Befreiung von tausendjährigen schmählichen Fesseln mit der Kraft des Geistes gegen gewaltige, rohe Uebermacht; und dieser Kampf regt, seitdem und so lange er von der festen Zuversicht des Sieges beseelt ist, mehr geistige und moralische Kräfte an, als ohne Freiheit und ohne Streben nach Freiheit alle Treibhaus-artigen Bildungsanstalren*erzeugen könnten. Wollet Ihr aber diesem Kampfe den Sieg nicht gönnen, wollet Ihr diesem mächtigen geistigen Streben das Ziel noch länger gewaltsam vorenthalten, so täuschet Euch selber oder uns nicht, gerathet nicht in lächerliche Widersprüche, durch das thörigte Vorgeben, daß Ahr uns bilden wollet. Glaubt es der Natur der Sache und der Erfahrung: Euere Bildung ohne eine gänzliche Umgestaltung unserer Lage macht nur unzufriedene Bürger, widerspenstige Umerthanen aus uns, die bei dem klarsten Bewußtsein ihrer Ohnmacht doch auch sehr wohl wissen, baß ihnen schmähliches Unrecht widerfährt. Der Wahn, an dem die Rohesten unter uns hängen, daß Unterordnung und Dienstbarkeit nun einmal ihr zugetheiltes Loos sei, der ist das Einzige, was mit Eurer HanWngsweise versöhnt; die Bildung aber toötet diesen Mahn, sie weckt vor allem Anderen das Be wußtsein der Menschenwürde und so giebr es keinen Fortschritt der Bildung, welcher nicht vor Allem die Schlechtigkeit Eures Verfahrens gegen uns uns erkennen, keine Stuft der Erkenntnis, welche nicht vor Allem Euch, unsere Unterdrücker, uns verachten lehrte. Was wollet Ahr uns denn lehren, wie wollet Ihr den Baum der Erkenntniß für uns beschneiden, daß uns jenes Wissen fremd bleibt, daß wir jene herbe Frucht nicht brechenHrögen? Wollet Ahr unseren Geist durch die ersten Elemente alles menschlichen Denkens und Fühlens bilden? Nun so huret Euch, daß nichts vom Reckte und von her Menschenliebe und von der Menschenwürde darin vorkomme, damit wir nicht veranlaßt werden, über Euer Unrecht und über unsere Kränkung nachzudenken! Oder wollet Ahr uns durch Beispiele und Lehren aus der Geschichte der Menschheit bilden? Nun dann reißt erst die erhabensten und die traurigsten Seiten aus ihrem Buche aus! Reißet den Baum der Freiheit mit allen seinen tiefen Wurzeln aus ihrem Boden! Verhüllet die gewaltigen Bilder alle von den Kämpfen für die Freiheit des Glaubens, für die Gleichheit des Rechts! Werft einen dichten Schleier über die edlen Gestalten aller der Märtyrer für die Freiheit der Ueberzeugung, für das gekränkte Menschenrecht, einen dichteren noch über die ihrer scheuslichen Henker! Sonst werden uns aus den Gesichtern der Christenverfolger, unter den Kutten der Inquisitoren, aus den Mienen der Peiniger Hussens und der Henker der Niederlande Eure widrigen Züge entgegen grinsen und aller Haß, den uns jene Erscheinungen eingeflößt, wird auf Euch, ihre würdigen Abbilder, zurückfallen! Darum, ich wiederhole es, bildet uns nicht, lasset uns lieber in Rohheit und Unwissenheit! — Das System der Unterdrückung hat auch in der That da, wo es der Anwendung, dem Leben galt, den rechten Znstinkt gehabt, den es nur in der Theorie scheinbar verläugnet. Als es den Deutschen Gottesdienst untersagte, als es einen der beiden Lebensnerven unserer Bildung gewaltsam durchschnttt, da war es konsequent, da wußte es, was es wollte; wenn es von Anstalten zu unserer Bildung redet, so plaudert es auswendig gelernte, wohlfeile Worte gedankenlos her. Har doch eben derselbe herüchtigre Entwurf, der die Gründung eines Bildungs-Kapitals anordnete, durch eine anderweitige Verfügung unter dem eitlen Vorwände, daß sich keine Sekten bilden sollten, die Unmöglichkeit einet jeden gottesdienstlichen Verbesserung zu verewigen beabsichtigt! Wir kornmen nun zu dem großen Gedanken, welcher den eigentlichen Kern der St r.schen Schrift bildet, welcher indessen schon von Jost und Anderen genügend beleuchtet und befestigt worden: wir meinen die tiefsinnige Wahrnehmung, daß es unter den Juden zwei verschiedene Klaffen giebt. Wir würden in diesem Punkte Hrn. Str. gerne beistimmen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.