Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 25 (24.12.1833)
- Date
- 1833-12-24
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ser Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abcheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Zweiter U 25; w ^lrnd ' ,jiW > 24. December 1833. Dienstag, den Mit Nönigl. Dänischem Allerhöchstem Mrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Altona. Bemerkungen gegen Streck fuß. (Fortsetzung.) Und) Hr. S tr. ist, wie andere Gegner gar sehr auf unsere Bildung bedacht und in seinem apokryphischen Entwurf hat er eine eigne Kaffe zu diesem Behufs angeordnet, welche aus den besonderen Abgar -m, die man von den Juden zu erpressen beabsichtigte,und auf deren Ertrag der Staat aus purer Oroßmuth verzichtete, gebildet werden soffte. Ein Staatsbürgerbrief sollte mit 5 Thalern, em Schuhdrief mit 20 bezahlt werden: und von dem Gelds fcllten die Juden gebildet werden. Wenn man von d:r alten löblichen Gewohnheit, mehr Geld als von den übrigen Unterrhanen von den Juden zu erpressrn, aus zärtlicher Dankbarkeit nicht ablaffen mögte, so wollte ich lieber, man wendete das Geld zu irgend .»irrem anderen nützlichen Zweck an, zu dem man gerade keines übrig zu haben scheint — wäre es auch nur z. B., um die Straßen der Residenz zu erleuchten in stockfinsteren Nachten, wo Mondschein im Kalender steht, aber auf den Straßen eine ägyptische Dunkelheit herrscht — und man ließe die Juden ohne Geld, aber auch ohue Hemmung selbst für ihre Bildung sorgen. Ich möchte wissen, was für ein Ding sich diese Menschen unter Bildung und unter Volksbildung insbesondre denken mögen. Wohl mag 2t Bd. die Bildung Einzelner in der Breite des Wissens, in der Entwickelung besonderer Fertigkeiten, in künstlicher Zusammensetzung und Auflösung abstrakter Begriffe bestehen; aber die Bildung der Massen, die gemeinsame Erhebung eines Zeitalters, einer Nation oder einer Religionsparthei auf eitle höhere Stufe der Civilijation und der edleren Menschlichkeit hat sich immer an wenige, einfache, aber großartige, ergreifende Ideen angeschlossen, welche die Gemüther erwärmen, die Seelen begeistern und die ganze vielseitige Kraft des Menschen anregen und entzünden. Wenn diese Ideen, diese Elemente der gemeinsamen Bildung in irgend einem Falle fest und klar und unverrückbar und unabänderlich, wie die Bedingungen des Lebens, gegeben sind, so daß jede Abweichung von denselben Verirrung und Thorheit ist, so ist es der unsere. Aufklärung und Emancipation: das sind jene Ideen, in gangbare, geschichtliche. Allen zugängliche Worte ausgeprägt, in das Gewand der Zeit und ihrer Bestrebungen gekleidet, wie sie von Hand zu Hand, von Mund zu Munde gehen, so daß sie Mancher wohl in isolirendem Dünkel ihrer Trivialität halber verschmähen mag. Freiheit des Geistes und der Kraft, freie Anerkennung des Göttlichen wie des Menschlichen, Freiheit im Glauben und im Leben: das ist ihr ewiger, leuchtender Inhalt; dafür schlagen alle Herzen, darnach ringen alle Kräfte, die 20