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Der Jude · 1833-12-10 · Heft 24 (10.12.1833) · p. Seite 194

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 24 (10.12.1833)
Date
1833-12-10
Page
Seite 194 (sequence 6)
Language
German
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194 und so dem Hasse der übermächtigen eine Beschönigung bieten und ihm wohl gar die Geschichte seiner vergangenen Unthaten als Grund Vorhalten, warum er nicht so urplötzlich, sondern nur allmälig und mit vorsichtigen Uebergängen zu einem menschlichen Verfahren schreiten dürfe. „Die Juden konnten," — das ist der Grund, in welchem unser Verfasser die Wurzel des Hasses und des Zwiespalts finden will — „wenn, auch ihr Gesetz unbekannt gewesen „wäre, in Befolgung desselben unmöglich verbergen, „daß sie sich selbst für ein besseres und von Gott ge- „liebteres Volk und die Andern für Unreine hielten, aus deren Hand nicht einmal eine Erquickung „angenommen werden dürfe." Die empörende Lüge der in den letzteren Worten enthaltenen Deutung der Ceremonialgejetze ist bereits von Jost und Anderen hinlänglich gerügt und wir gehen gerne darüber hinweg. Was auch Hr. Str. von der ttngeselligkeit de- Judenthums sagen, wie künstlich und boshaft er auch deuten möge, es tritt doch Alles in Schatten gegen die Vorschriften der Trennung und Entfremdung, welche, wie wir gesehen haben, die größten Autoritäten der christlichen Kirche in dieser Beziehung ausgestellt. Hr. Scr. selbst treibt die Verlaumdung nicht so weit, um zu behaupten, es sei den Juden ausdrücklich vorgeschrieben worden, nickt in der Nahe Andersglaubender zu wohnen, ihren Umgang zu meiden u. s. w. Aber jene Gesinnung, die sich selber für besser und von Gott geliebter halt, als Andere — die ist doch wohl dem Judenthume und seinen Bekerryern ganz allein eigen, da man sich nicht scheut, sie. uns so herbe und bitter vorzuhalten'? Ich weiß nicht, ob Hr. S c r. und ähnliche Schriftsteller nur auf solche Leser rechnen, die nichts Anderes wissen, als was sie ihnen zu sagen für gut befinden oder ob sie im Grunde, die fremde Religion zum Vorwand nehmend, auf die eigne verstohlner Meise die giftigste Satyre machen wollen. Wir sind in diesem Punkte nicht gesonnen, als reine Apologeten irgend einer der positiven Religionen aufzutreten; der Keim des Egoismus und Hochmuths, der bisher in ihnen allen verborgen gelegen, so mannichfaltig auch die Gestaltungen waren, die sich aus ihm entwickelt, ist der Beisatz irdischer Beschränktheit zu ihrem überirdischen Wesen und eben deshalb ist er auch der Keim des Vergänglichen an ihnen; weil sie mit solcher Makel des Irdischen behaftet sind, sind sie dem Loose des Irdischen, der Wechsel der Formen und Erscheinungen, den Einflüssen der Zeit und der Geschichte unterworfen. Wir mögen in Beziehung auf jenen Wahn des Befferseins, der Auserwählung, der ausschließenden Gottesliebe nicht eine Religion vor der anderen entschuldigen; es würde uns noch weniger in den Sinn kommen, eine vor der anderen anzuklagen, wenn nicht die Pflicht der Selbstvertheidigung uns dazu drängte Aber wir müssen über die Frechheit der Anklage erstaunen, wenn gegen uns ein solcher Vorwurf als Grund der Verfolgung und Zurücksetzung von den Bekennern eines Glaubens geltend gemacht wird, welcher allein unter allen jenen Wahn bis zu der frevelhaften Lehre von der Verdammniß Andersglaubender getrieben hat und dessen als orthodox anerkannte Dogmen noch bis auf den heutigen Tag in keiner seiner drei kirchlichen Hauptformen jene Lehre aufgegeben haben. Wir sind allerdings überzeugt, daß nur sehr wenige unter den gebildeteren und nachdenkenden Christen in unseren Tagen einer solchen eben so unmenschlichen als ungöttlichen Lehre huldigen; aber es handelt sich hier ja nur um die Erklärung früherer beklagenswerther Zustande, deren Leiden wir ererbt und von deren schmählichem Drucke sich zu befreien man eine bessere, Heller und menschlicher denkende Zeit verhindern will. Wir sagen daher mir Hrn. Str. (S. 13.): „Diese Lehrsätze mußten wirken, wie sie gewirkt haben." Sie mußten Haß und Verachtung, Sonderung und Entfremdung erzeugen, da wo sie nicht vernichteten und ihre Wuth in dem letzten Blute ihrer Opfer stillten. Fassen wir die Gegenwart iti’6 Auge, fragen wir nach den Stimmungen der Gemüther, wie sie sich in unseren Tagen unserer Wahrnehmung darbieten, so wird uns kaum Einer bestreiten, daß die Anzahl Derer, in deren Denkungsweise jede Spur des Dünkels und des Hochmuths wegen ihres besonderen Glaubens verschwunden ist, unter den Juden nicht geringer ist, als unter irgend einer anderen Religioneparthei; ja es wird uns schwer, selbst in der befangensten, vorurtheilsvollsten Vorstellung des Juden Etwas, das dem Hohmuth, dem Stolze ähnlich matt, zu entdecken, da fein Wahn

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