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Der Jude · 1833-12-10 · Heft 24 (10.12.1833) · p. Seite 192

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 24 (10.12.1833)
Date
1833-12-10
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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I für den Glauben selbst schwerlich ein Haar ihres Hauptes einer Gefahr auszusetzen willig, den Haß allein aus reiner Lust am Hasse, die Unterdrückung aus Liebe zur Unterdrückung nicht fahren lassen wollen, weil sie Wohlgefallen daran finden in der Eug- Herzigkeit ihrer Gesinnung, durch das selbstgeschaffene Gesetz für besser geachtet zu werden, als Andere ihrer Mitmenschen und weil die Freiheit nur dann einen Werth für sie hat, wenn sie Andere derselben beraubt wissen. Das Mahrchen von der Nationalität der Juden, auf allerhand kümmerlichen Wortspielen und Begriffsverdrehungen, auf dem Hinwegsehen über die Gestalten der Gegenwart und über zwei Jahrtausenden der Vergangenheit beruhend, welche unzählige Male die Gestalt der Erde verändert haben, ist kaum von irgend einem der Vorgänger des Hrn. S rr. mit so großer Keckheit, wie von ihm, benutzt worden. Die perfide Tendenz seiner ganzen Darstellung hat so sehr selbst seinen Ausdruck durchdrungen, daß er schwerlich irgendwo in dem ganzen Buche die Juden als Glaubensgenossen, als eine Religionsparthei, sondern immer als eine Nation, als ,-Landsleute" bezeichnet. Wer die meisten Stellen des Buches läse, ohne zu wissen, wovon es handelt, würde schwerlich auf die Idee kommen, daß von einer religiösen Genossenschaft, sondern eher glauben, daß etwa von irgend einem Volke die Rede sei, welches vor kurzer Zeit durch die Macht der Preußischen Waffen unterjocht worden. Wir haben uns über diesen so höchst einfachen Gegenstand schon so oft auszusprechen G^egenheit gehabt,*) daß wir kaum mehr et was darüber zu sagen wissen. Aber unsere Gegner sind gepanzert gegen die Angriffe der Wahrheit durch einen dichten Panzer des Truges und der Täuschung; die Pfeile prallen ab und das System der Lüge bleibt unversehrt^ Sollen wir noch einmal den Sprachgebrauch des gesunden Menschenverstandes, sollen wir die Geschichte fragen, was sie unter einer Vorhände- *) Man vergleiche meine Schrift: Ueber die Stellung u. s. w. S. 60—62. Verteidigung u. s. w. gegen Paulus, S. 35—57. Börne und die Juden, S. 19—23. Kritische Beleuchtung u. s. w. S 43^50. S. 129 — 134. Denkschrift an die Badische Ständeversammlung, S. 48—63: aus welcher Stelle das oben Gesagte zum Theil entlehnt ist. nen, was unter einer untergegangenen Nation und Nationalität verstehen? Sotten wir noch einmal die Elemente mustern, aus welchen diese Gestaltungen sich bilden, Gemeinschaft im Gesetze, im Boden, in der Sprache des Lebens und der Literatur, in der Behauptung der politischen Selbstständigkeit durch Aufopferung von Gut und Blut: Elemente, unter welchen die Stammesverwandschaft, besonders nach den Vorstellungen, welche in unserem Jahrhundert von Staat und Nation herrschend geworden, nur 8 eine untergeordnete Stellung, mehr die des Zufälligen , als des Wesentlichen, einnimmt? An Einen Fall, der keinem fühlenden Herzen, welches für die gewaltigen Ereignisse des Jahrhunderts, für seine Schmerzen und Kämpfe die leiseste The«lnahme empfindet, fremd ist, wollen wir statt aller Argumente, welche wir in diesem Punkte an die Unredlichkeit unserer Gegner zu verschwenden müde sind, erinnern und ihn, der in aller Gedächtnisse lebt, nach der lebendigen Bedeutung jener Worte fragen. Als jene hochtönende Verheißung ausgesprochen worden, daß Polens Nationalität nicht untergehen werde, hat man etwa Das darunter verstanden, daß die in alle Welt zerstreuten Nachkommen der heutigen Polen einst aus der* Geschichte lernen werden, daß ihre Vorfahren vor Jahrtausenden einmal einen eigenen Staat, ein eigenes Vaterland besessen harten? Har man nicht gesagt, Polens Nationalität sei untergegangen, als die letzte Aussicht auf politische Selbstständigkeit, auf Erringung eines freien Vaterlandes untergegangen war? Warum also, um uns zu kränken, den Worten eine veränderte Bedeutung geben, den Sinn mit der Sprache verwirren? — Oder versteht Ihr in Eurer beschrankten Vorstellung unter der „Nation" nichts anderes, als die Stammesverwandschaft , dann wollen wir nicht über Worte mit Eurer Gedankenlosigkeit streiten, aber wir bitten Euch dann, uns das Geheimniß zu lehren, wie denn die Stammesverwandschafc hätte aufhören sollen bei dem kirchlichen Verbote der gemilchten Ehen, das bis jetzt weder in Preußen noch in einem der übrigen größeren Staaten des Deutschen Bundes aufgehoben ist, während selbst in den beiden kleineren, wo solche Ehen erlaubt sind, die Erlaubniß durch die Bedingung, daß die Kinder Christen werden müssen, so

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