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Der Jude · 1833-12-10 · Heft 24 (10.12.1833) · p. Seite 190

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 24 (10.12.1833)
Date
1833-12-10
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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190 sein Grund und seine Rechtfertigung. Wenn Einer eine vom verheerenden Kriege heimgesuchte, ehemals blühende Gegend beträte, ohne daß er vorher Kunde erlangt von den Schrecknissen, die sie betroffen, möchte er wohl ihren Boden für unfruchtbar, ihren Himmelsstrich für ungesegnet, für dürftig erwärmt von den Strahlen der Sonne, für feindlich dem Aufenthalte der Menschen halten; aber er irrt: jener Vor den ist fruchtbar, die Sonne erwärmt ihn mit ihrem allliebenden Strahl; seine Früchte prangten in reicher Fülle, bis der Huf der feindlichen Rosse sie zertreten; mit Wohnungen war jene Erde reich besäet und in den Wohnungen lebten zahlreiche, kräftige, fröhliche Menschen; aber die Fackel des Krieges hat diese Wohnungen niedergebrannt, das Schwerdt hat ihre muthigen Bewohner hinweggeraffr, die wehrlosen hat die Furcht vertrieben. Also ergehet es mit den traurigeren Verheerungen, welche der Haß Ln der moralischen Welt angerichtet. Wenn Einer vor einem halben Jahrhundert, als eben erst die Morr genröthe der Versöhnung und des Friedens zwischen den Religionen angebrochen, das Verhältniß der Juden zu den Christen, unter denen sie lebten, wahrger nommen hatte, ohne daß ihm die Lehren der Geschichte alle die Verfolgungen und Mißhandlungen gezeigt, welche vorhergegangen, wenn er die durch alle Lebensverhaitnisse durchgehende Sonderung und Entfremdung, das gehässige Vorurrheil von der einen, die furchtsame Scheu von der anderen Seite beobachtet hätte, ohne ihre Quelle zu kennen, so Häm er wohl an einen inneren Mangel, an eine tief liegende Krankheit glauben mögen, in welcher jene SyNMome ihren Grund hätten; er hätte wähnen mögen, es seien Jene durch den strengen Willen der Vorsehung, durch die stiefmütterliche Härte der Natur fern gehalten von den belebenden Strahlen der Sonne der ^allgemeinen Menschenliebe und Menschenbildung, ausgeWoffen von dem einigen Streben der Menschheit nach Glückseligkeit und Vollendung auf den mannichfachew Bahnen, wie sie einem Jeden sein Geschick und seine Kraft anweist. Aber auch sie waren zu dem Baue an dem Tempel der Menschheit berufen, wie es Herder ahnend ausgesprochen: nur giftiger Haß und schnöde Verachtung der Uebermachtigen stieß sie aus und wies ihre Dienste zurück; auch ihnen schien jene allgemeine, allbelebende Sonne; aber finstere Körper des Haffes und der Knechtschaft hatten sich zwischen sie und die Sonne gestellt und das Licht und die Wärme ihrer Strahlen zu ihnen hindurchzudringen verhindert. Auch dieser Gegner wirft Uns abermals, wie schon so viele vor ihm gethan, die Absonderung vor, in welcher seit Jahrhunderten die Juden von den Christen gelebt, welche sich in gewisse Eigenthümlichfeiten der Sitte, der Gewohnheit, der Lebensweise ausgeprägt, die ein innigeres Zusammenleben längst verwischt haben würde, von welcher aber noch jetzt deutliche Spuren zu erkennen sind. Ich bitte Euch, lehrt uns doch das Geheimniß, wie es hätte müssen angefangen werden, um uns in die Gemeinschaft Derer zu drangen, die uns vermieden und verschmähten, Denen näher zu treten, die uns verstießen, LZerhältnisse des Wohlwollens und des ^Vertrauens mit Denen einzugehen, die uns haßten und verachteten und die solche Gefühle gegen uns für verdienstlich und pflichtgemäß hielten. Oder zeigt uns doch, wie in jenen Jahrhunderten der Sonderung und der Entfremdung andere „ungläubige" Sekten in Liebe und Innigkeit mit den Bekennern des herrschenden Glaubens gelebt, damit wir einsehen lernen, daß es etwas Anderes als der Fanatismus Dieser gewesen sein müsse, was uns so fern gehalten und von aller Gemeinschaft ausgeschlossen. Ihr wisset ja so genau bis auf die attergeringfügigsten Umstände herab Allee herzurechnen, was in der jüdischen Art und Weise einer innigeren Berührung mit Andersgiaubenden im Wege stand oder steht: sollten Euch die Grundsätze so ganz fremd geblieben sein, welche das Christenthum in dieser Beziehung aufgestellt hat? Ich liebe es sonst nicht, Dasjenige mit Citaten zu belegen, was im Grunde jedem Gebildeten aus der oberflächlichsten Gefchichtskenntniß bekannt ist und was mir Aufrichtigkeit Keiner ignoriren kann; ich bin kein Freund von der Anhäufung s. g. Quellen, aus denen Keiner am Ende mehr Wissen schöpft, als er schon vorher von der Sache gehabt. Aber da unsere Gegner hier so gar unschuldig rhun, so will ich einmal in dem ersten besten mir zur Hand liegenden Handbuche eine der Stellen aufsuchen, worin jene Grundsätze niedergelegt sind. Ich finde eine solche

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