Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 24 (10.12.1833)
- Date
- 1833-12-10
- Page
- Seite 189 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ser Iu-e. Periodische Blatter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Zweiter JT 24. 6and. Dienstag, den io. December 1833. Eit Wönigl. Dänischem Allerhöchstem WrLvilegLo. Eigenthum des Herausgebers. .In Commission bei I. F. Hammer ich in Mona. Bemerkungen gegen Streckfuß. (Fortsetzung.) ^er Kampf zwischen den gleich mächtigen Religwnspartheien ist die innere Geschichte Deutschlands in den letzten drei Jahrhunderten und der löte Artikel der Bundesakte ist der letzte Friedeusschluß, der diesem Kampfe ein Ende gemacht hat; die Rechtsgleichheit der drei christlichen Confessionen ist mithin als eine erkämpfte und bedungene, nicht als eine gegebene zu betrachten. Wir dürfen sehr daran zweifeln, ob, wenn in den Staaten des Deutschen Bundes das eine Prinzip so überwiegend, wie in Frankreich und England, wenn die eine der Partheien so schwach gewesen wäre, wie dort die Protestanten, hier die Katholiken oder gar wie in Deutschland selbst die Juden sind, — ob dann im Jahr 1815 die Rechtsgleichheit so entschieden ausgesprochen worden sein würde. Bringt man das große Gewicht, welches Schwache und Furcht, Klugheit und eigner Vorthei! hier in die Wagschale legten, ehe die Grundsätze der Gewissensfreiheit und der Gleichheit vor dem Gesetze in den Gesetzgebungen der einzelnen Staaten überwogen, nur einigermaßen in Anschlag, so wird man in der That bei der bedächtigen Langsamkeit, mir welcher die Gesetzgebungen Deutschlands auch die als heilsam anerkannten Verbesserungen be- 2r Bd. handeln, den Zwischenraum einer Generation zwischen der Gleichstellung der christlichen Confessionen und der der Juden sehr erklärlich finden, ohne zu ganz besonderen Auslegungen seine Zuflucht zu nehmen. Mit dem Religionshasse hat das traurige Mißverhältniß zwischen Juden und Christen begonnen; mit ihm endet es; in ihm hat es seine Wurzel; in seiner Versöhnung findet es seine Lösung. Wie auch die unterdrückte Religion beschaffen sein mochte, bei solcher und so langer Unterdrückung, bei so herbem Haffe, welcher nie nachließ in dem Werke der Verfolgung und doch das Ziel der Vernichtung nie erreichte, konnten ihre Bekeuner keine andere Stellung zu ihren Unterdrückern einnehmen, als die ist, welche die Juden eingenommen. Nur wenn man die Erscheinungen aus ihrem Zusammenhangs, wenn man den Haß von seiner Wurzel losreißt, kann man zu der verkehrten Ansicht gelangen, welche die Quelle desselben in seinen Resultaten sucht. Freilich hat der aus dem Fanatismus entsprossene Haß mannichfache Verhältnisse mit seinem Gifte durchdrungen, vielerlei Blüthen der Bildung, der Geselligkeit, der Menschenliebe durch seinen Pesthauch getobter, welche die nie versiegende Kraft des menschlichen Gemüthes in lebendigem Schaffen ersetzen mußte, nachdem jene zerstörende Kraft gebrochen war; aber die Zerstörung und Verödung waren das Werk des Hasses, nickt 25