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Der Jude · 1833-11-29 · Heft 23 (29.11.1833) · p. Seite 187

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 23 (29.11.1833)
Date
1833-11-29
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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diejenigen Dogmen des JudenthumS studirt hat, in deren Inhalt seine riefe Weisheit die Quelle des ganzen Mißverhältnisses entdeckt haben will? Glaubt er, daß der blinde Glaubenshaß seine Opfer kennt und sichtet, deren Eigenrhümlichkeiten unterscheidet, ihre Gebräuche und Sitten untersucht? Sieht er in den besonderen Eigenschaften der Verfolgten immer die Quelle der Religions-Verfolgung? Wer haßt denn die Juden mehr, der Spanier, der nie Einen gesehen und sich nach den Mahrchen seiner Pfaffen ein abentheuerliches Biid davon entworfen hat, oder der Franzose, der von seiner Kindheit an Juden mit aller ihrer Eigenthümlichkeit um sich gesehen und ohne Vorliebe wie ohne Haß, ohne Glaubens,- und ohne Standes - Vorurtheil, durch ein erniedrigendes Gesetz erzeugt, beobachtet hat? Will uns Hr. S t r. wirklich überreden, daß, wenn die Rellgions- Vorstellungen der Juden im Micrelalrer den reinsten Theismus ohne alle Beimischung von Aberglauben, von Anmaßung eines Vorzuges der Göttlichen Liebe und ähnlichen irrationalen Meinungen gearhmet Härten, — daß sie dann dem Hasse und der Verfolgung des herrschenden Glaubens weniger wären ausgesetzt gewesen? War eS der Aberglaube, der von der Vernunft, oder war es die Vernunft, die vom Aberglauben verketzert und verfolgt ward? Oder wurden Wieleff und Galilaei, Huß und Servetus und ihre Anhänger etwa ihrer unvernünftigen Meinungen wegen von den Rationalisten eingekerkert und verbrannt? Fürwahr, wenn in den fremden Leiden ein Trostgrund für die eignen gesucht werden könnte, so hätten die Juden durch die Jahrhunderte der Religions- Berfolgungen hindurch im Verhältnis zu den Qualen, welche die verschiedenen christlichen Sekten von einander erduldet, sich nicht beklagen dürfen: was sie litten, war ja nur ein Tropfen im Meere des Jammers! Gibbon hat berechnet, daß alle die Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte zusammengenommen nicht so viel Blut vergossen haben, wie allein in den Spanischen Niederlanden durch die ausgesandten Henker der Inquisition zur Ehre und zur Ausrechthalrung, des orthodoxen Glaubens vergossen worden. Wir können dieselbe Berechnung auf die Judenverfolgungen übertragen; schwerlich ist in diesen, wenn wir sie aus allen Jahrhunderten zusam- , menfassyn, mehr Blut geflossen., als in jener einzigen Expedition, oder im dreißigjährigen Kriege. Und , wenn der Fanatismus mit solcher Raserei in den eignen Eingeweide» gewühlt, wenn er die ihm nahe verwandten Sekten, die denselben Stifter ihrer Religion unter demselben Namen bekannten, mit solcher Grausamkeit verfolgt hat, sollen wir uns wundern, daß sein Haß auch den viel fremderen Glauben getroffen und oft genug tödtlich getroffen hat? Da sollen wir nach den Gründen jenes Haffes in der Eigenthümlichkeit dieses Glaubens und seiner Bekenner forschen, als sei die ganze übrige Zeitgeschichte bis auf diese einzige Ausnahme ein Bild der Liebe und der ungestörten Eintracht? Aber der Haß hat in diesem Falle länger gewährt als in den übrigen; das Vorurtheil ist sich länger und in unveränderlicherer Gestalt gleich geblieben, wendet uns der Scharfsinn des Hrn Str. ein. Sollte derselbe Scharfsinn den auf der hellsten Obörflache liegenden Grund dieser Verschiedenheit nicht haben finden können? Der Haß gegen irgend einen Gegenstand, und wenn er auch alle Intensität des Fanatismus hatte, kann nicht füglich viel länger leben, als der Gegenstand selbst: das wird Hr. Str. zugeben. Der Haß verzehrt sich aber in seinem ungenährten Feuer, wenn er bei gleich gerheilten Kräften sich nicht äußern darf, wenn er, durch gewaltige Kämpfe ermüdet, durch die Gefahren eines mächtigen Widerstandes scheu geworden. der Ruhe bedarf: auch das wird Keiner läugnen wollen. Wenn nun außer dem Judenrhume keine andere eben so schwache Sekte mit der eisernen Ausdauer Stand hält, wenn die übrigen alle durch die Wurh des herrschenden alleinseligmachenden Glaubens bis auf die letzte Spur von der Erde vertilgt wurden, — entweder weil nach einer häufig gemachten Erfahrung der Haß gegen den näher verwandten Glauben noch grimmiger, noch vertilgender, oder weil in jenen die geistige Kraft des duldenden Widerstandes, welche das Judenthum am Leben erhielt, geringer war — was Wunder, daß der Haß dort seinen Gegenstand wechselte, hier ihm mit gräßlicher Standhaftigkeit treu blieb? Oder hat der Glaubenshaß sich dort in Liebe und Versöhnung aufgelöst? Hat etwas Anderes ihn je befriedigt, als Vernichtung, ihn je gebändigt, als Uebermacht? Als die Macht der Einen allgemeinen alleinherrschenden Kirche endlich gebrochen, als nach den vielen ohnmächtigen mit Feuer und Schwerdt gezüchtigten Versuchen der Befreiung ein mächtigeres fleggekröntes Streben sich durch ungeheure Kämpfe hindurch Bahn gebrochen hatte, hat etwa da der Haß nachgelassen, ward der Fanatismus versöhnt? Hat der neue Glaube dem alten nachgestanden in Unduldsamkeit, Verlolgungswuth und Herrschsucht? Haben sich die streitendeu Partheien in Eintracht und Frieden vereint, so lange noch eine Hoffnung, den Gegner zu Boden zu Lücken, in den Gemächern lebte? Ich will nicht von dem Kriege reden, dem verheerendsten, der je in unserem Vaterlande gewüthet, der in eine Zeit fällt, in welche man die Anfänge unserer modernen Bildung zu setzen gewohnt ist, sondern nur von dem Frieden, der dem Kriege ein Ende gemacht. Was war er Anderes in seinem Ursprung, als ein Werk der höchsten Erschöpfung, der beiderseitigen Ohnmacht, der durch den Bürgerkrieg eines vollen Menschenalters gewonnenen Ueberzeugung, daß bei

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