Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 22 (12.11.1833)
- Date
- 1833-11-12
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542348-2542349-2542372--441-3526961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 Literarische Anzeige. Gegenbemerkungen zu der Schrift des Herrn Geheimen Ober - Regierungsraches Strecke fuß über das Verhältniß der Juden zu den christlichen Staaken, von HkMrich Christian Freiherrn von Ulmenstein, Königlich Preußischem Regierungsrache zu.Düsseldorf. — Dresden, 1833. Ch. F. Grimmersche Buchhandlung. 78 S. Oktav. Mit ganz besonderem Vergnügen machen wir unsere Leser auf eine unseren Gegenstand behandelnde Schrift aufmerksam, welche für jeden Freund der Freiheit und der Gerechtigkeit eine überaus erfreuliche Erscheinung sein muß. Es herrscht in derselben eine volle und innige, durch keinerlei Winkelzüge modificirte, durch keinerlei Engherzigkeit getrübte Überzeugung von dem Werthe und der unerläßlichen moralir scheu Nothwendigkeit der Rechtsgleichheit, eine durchs weg richtige Ansicht von der Sache in allen ihren Beziehungen, gestützt auf einfache Grundsätze des Rechts und der Freiheit, auf eine menschenfreundliche Gesinnung und ganz besonders auf eine klare, lebendige und unbefangene Anschauung der hieher gehörigen Verhältnisse. Der Verfasser ist schon durch frühere freisinnige Schriften dem Publikum rühmlich bekannt und auch seine ansehnliche bürgerliche Stellung ist unter den obwaltenden Umständen nicht ganL ohne Bedeutung. Denn so gleichgültig, es freilich für die Wahrheit ist, von wem sie gesagt werde, so wenig insbesondre die äußere Lage eines Schriftstellers bei der Beurtheilung seiner Schriften in Betracht kommt, so ist es doch, da Hr. S tr. einerseits behauptet, alle Gegner seiner Ansichten, die bisher in den Zeitungen ausgetreten seien, seien Juden, und daneben junge Leute, „die die Waffen unbesonnen und ungeschickt führten und sich selbst und den Ihrigen in blinder Hitze Wunden beibrächten," da er andererseits die Autorität des Beamten hie und da verstohlen in die Wagschale legt, um die des Schriftstellers zu unterstützen, so ist es nicht ohne Werth, daß sich ihm hier ein Christ und ein Beamter entgegenstellt, welcher die Ansichten der Verfasser jener Zeitungsartikel in allen Punkten theilt, welcher alle feine Behauptungen, sowohl diejenigen, welche Grundsätze.aufstellen, als die, welche angebliche Wahrnehmungen darlegen, aufs entschiedenste bekämpft. Auch über die Art, wie der Streit bisher von Seiten der Verfechter der Freiheit geführt worden, denkt unser Vers, ganz anders, als Hr. Scr., indem er S. 8 — 9 sagt: „Der Kampf, welcher begonnen har und mir ehrlichen Waffen geführt wird, ist ein Kampf des Lichts gegen die Finsterniß und das Geräusch, dessen unser Verfasser gedenkt, ist nörhig um die Eulen und Fledermäuse zu verscheuchen. Bei dem Uebergange von der Nacht zmn Tage ist aber eine künstlich erhaltene und verlängerte Dämmerung nur ein theatralisches Kunststück zum Behuft der finnischen Täuschung, in der Wirklichkeit aber gar nicht anzutreffen am wenigsten bei der Wegräumung moralischer Gebrechen, bei der Zurücknahme einer groben Rechtsverletzung zu wünjchen." — Ganz besonders erfreulich war es uns, an mehreren Stellen dieser Schrift über einen vor allen anderen wichtigen Gegenstand, über den Zustand der öffentlichen Meinung in Preußen und über das Verhältniß der Provinzial-Stände zu derselben Ansichten zu finden, welche, den Str.scheu diametral entgegengesetzt, mit den unsrigen auf eine Weise übereinstimmen, welche uns, da sie einem Manne angehören, der jene Verhältnisse in der unmittelbarsten Nahe beobachtet hat, eine Gewährleistung für die Richtigkeit unserer Ansichten ist. So heißt es schon S-5.: „Hr. Str. legt ein großes Gewicht auf die Gutachten der ProvinzialständeUeber diese einzelnen Aeeenstücke der hallen wir uns noch unser Urtheil vor, wir wollen nur vorläufig hier bemerken, daß die Ansichten der die Interessen einzelner Abtheilungen der bürgerlichen Gesellschaft repräsentirenden Provinzialstände, in dem vorliegenden Falle, wo gerade von Rechten die Rede ist, welche mit diesen Interessen in Collision kommen könnten, nicht immer für die Urthelle der gesamryten Nation erachtet werden können, und daß eö jedem Unbefangenen einleuchten muß, welche sehr bedeutende, vortheilhafte Veränderung mit der Judenschaft bereits in denjenigen Provinzen vor sich gegangen ist, wo die Israeliten sich bisher im vollen Genüsse der gesammren bürgerlichen Rechte befunden haben." Ferner S. 29.: „Für höchst bedenklich und ganz dem ständischen Charakter entgegen, müssen wir