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Der Jude · 1833-11-12 · Heft 22 (12.11.1833) · p. Seite 178

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 22 (12.11.1833)
Date
1833-11-12
Page
Seite 178 (sequence 6)
Language
German
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178 ligion gegen den einzigen Glauben, der, alter als fle, ihr nicht weichen wollte, vor Atter Augen offen darliegt, der hat entweder keine Zeile gelesen auf den blutigen Seiten der Geschichte oder er spottet der Wahrheit, die Heller ist, als das Tageslicht. Nein, fürwahr nicht alle Völker können Unrecht haben gegen ein Volk; aber die unterdrückende Religion hat immer und zu allen Zeiten Unrecht gegen die Unterdrückte. Nicht ein gegen Menschen, gegen Individuen/deren Geschlechter die Jahre erneuen, gerichtetes Vorurtheil bleibt anderthalb Jahrtausende lang unter allen Umstanden dasselbe; aber der Haß desselben Glaubens gegen denselben Glauben muß wohl derselbe bleiben, bis der Glaube zu der Erkenntniß gelangt ist, daß Haß und Verfolgung und Unterdrückung Andersglaubender in jeder Gestalt von ihrem mildesten bis zum heftigsten Grade gegen das Grundwesen aller Religion streiten: eine Erkenntniß, die selbst bis auf den heutigen Tag noch nicht so allgemein verbreitet ist und so tiefe Wurzeln geschlagen hat, daß wir von den Erscheinungen, in welchen wir sie noch vermissen, wie von einem schwierigen Räthsel die Lösung suchen müßten. Nicht weil sie Einwanderer waren , an denen man das Gastrecht nach Belieben üben oder es ihnen verweigern oder es beschrankt und bedingt gewahren konnte, waren die Juden rechtlos durch das Mittelalter hindurch; denn es waren ihrer in allen den Landern, welche der Schauplatz ihrer Mißhandlungen waren, früher ansässig gewesen, als das erobernde Geschlecht, früher als die Longobarden in Italien, als die Westgothen in Spanien, als die Franken in Frankreich, als die Sachsen und die Normannen in England und es giebt im Westen und im Süden Europas, Deutschland mit eingerechnet, kein Land, in welchem sie nicht nach den bestimmtesten geschichtlichen Urkunden Jahrhunderte lang im Besitze eines rechtlichen Zustandes gewesen, welchen ihnen die Wuth des Fanatismus geraubt. Aber der Grund des Hasses gegen dieses „ Volk “ wie sich Hr. St r. -auödrückt, muß nach ihm nochwendig in den Grundsätzen seiner Religion, in ihren Lehren, in ihrem Hochmuthe, in ihrem Geiste der Sonderung liegen und es kommt ihm gar nicht die Möglichkeit in den Sinn, daß doch mindestens ein Thei! des Unrechts auf der Seite der herrschenden Religion sein fonnte. Wir haben ja gesehen, daß nach seiner Art zu raisonniren der Verfolger und Unterdrücker immer Recht, der Verfolgte und Unterdrückte immer Unrecht hat. Wir freuen uns, diesen Streit auf einem anderen, als dem theologischen Wege erledigen zu können; denn die Untersuchung, welche von beiden Religionen in ihrer geschichtlichen Erscheinung — denn von dieser handelt es sich hier — mehr Haß und Hochmurh in den Gemüthern erweckt, mehr sich zum Beherrschen und Unterdrücken Andersglaubender berechtigt und berufen glaubte, mehr sich die alleinige Liebe Gottes anmaßte und Andersglaubeude der ewigen Verdammniß preisgegeben wähnte, mehr unschuldiges Blut in wahnsinnigem Eifer vergossen har, diese Untersuchung ist uns unerfreulich, wenn sie uns gleich zum Ziel«, führen würde; w i r haben uns yie darin gefallen, die Schwachen und Schattenseiten einer von der unsrigen abweichenden Religion, wie es unsre Gegner begierig bei jeder Gelegenheit thun, aufzusuchen und hervorzuheben; wir überlassen jene Entscheidung gern dem unpartheiischen Urtheile der Christen selbst. Wir können jenem »Argument auf einem kürzeren und einfacheren Wege begegnen. Man zeige uns in jenen anderthalb Jahrtausenden des Judenhasses und der Judenverfolgung, welche Hr. Str. als einen schweren Borwurf gegen, die Gehaßten und Verfolgten geltend macht, auch nur eine andere Sekte, welche von dem Christenthume, oder der herrschenden christlichen Sekte, von welcher sie abwich, keinen Haß und keine Verfolgungen oder auch nur berde im ge ringeren Grade, als die Juden, zu leiden gehabt, eine einzige nur, an welcher sich die gepriesene Liebe und Duldung des Christenthums bewahrt hatte und wir wollen es zugestehen, daß der Grund lenes Hasses in den Juden gesucht werden müsse. Nun? Wohin sollen wir den spähenden Blick richten? Welches Beispiel will man uns vorführen? das der heidnischen Sachsen? der Saraeenen und Mauren? der Eingebornen Amerikas? der Albigenser? der Hussiten? der Hugenotten? (Die Fortsetzung folgt.)

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