Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 22 (12.11.1833)
- Date
- 1833-11-12
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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180 daher den Antrag der Westfälischen Provinzialstände erachten, „das den Juden voreilig durch die Fremdherrschaft ertheilre Bürgerrecht, wieder auszuheben," und wir möchten der Meinung sein, daß ein solcher Wrrnsch, wohlhergebrachte, blos gleichstellende Reckte durch einen Macktspruch wieder zu vernichten, wohl einzig in den Annalen der ständischen Verhandlungen bleiben wird und einen Beweis liefert, wie weit die Ansichten einiger Wenigen von der wahren öffentlichen Meinung, welche wir einigermaßen zu kennen glauben, wirklich abweicht. Man ziehe die gebildeten Mittelstände zu Rathe und es werden sich ganz andere Resultate ergeben." Eben so S. 19.: „Sind diese — die Provinzialstände — als die Vertreter einzelner Abtheilungen der bürgerlichen Gesellschaft, deren Interessen zum Theile mit der Emancipcmon der Israeliten collidiren, *) die Wortführer der Wünsche der gesummten Nation— Eine Vermuthung deren man sich kaum erwehren kann, wenn es gleich unmöglich ist, sie zur Gewißheit zu erheben, spricht der Vers. S. 20 in folgenden Worten aus: „Was ist gefragt worden? Dies wissen wir nicht genau, nur so viel ist gewiß, daß nach Anleitung der Königlichen Proportionen gefragt worden ist und daß die Verhandlungen in der ganzen Monarchie in einem und demselben Geiste geleitet worden zu sein scheinen. Wir glauben fast diesen Geist in der Schrift des Hrn. Str. wieder zu finden und sind der Meinung, daß die Provinzialstände durch die Eröffnungen der Königlichen Commiffarien, oder der Landtags--Marschalle die Ansichten der Ministerien müssen erfahren haben." Ueber das den Pöbel-Aufläufen von 1819 entnommene Str. sche Argument äußert sich der Verf., S. 52 wie folgt: „Unser Verfasser spricht S. 22 von der verletzten öffentlichen Meinung und von der Stellung des Gesetzgebers, wenn diese Meinung schnell zur That werde," er kommt daber auf das berüchtigte, fast schon ganz vergessene, zu seiner Zeit aber aus einer sehr unlauteren Quelle geflossene Hepp.' Hepp! zurück, und deutet revolutionäre Bewegungen an. Wir aber müßten eine Regierung für sehr schwach und hinfällig erachten, welche durch Frevel von der Hefe des Pöbels vttübt, sich abhalten ließe, einem unterdrückten und mehr-als zu sehr gedemüthigten Volke, seine ihm entzogenen Bürgerrechte wieder zu geben und es in Schutz zu nehmen gegen die Beleidigungen von Straßengesindel, welchen man bei jeder anderen Gelegenheit doch wahrlich keine entscheidende Stimme einraumt. Die Preußische Staatsverwaltung ist aber durchaus nicht fähig, ängstlichen Rücksichten in dieser *) „ Wir glauben nicht berufen zu sein, die Verhältnisse der Provinzialrepräsentanten zur Nation hier näher zu erörtern." Beziehung Gehör zu geben. — Wir können es nicht unterlassen, unseren Lesern noch die folgende Stelle mirzutheilen, worin der Vers. S. 21. die Meinungen, welche sich der Gleichstellung entgegensetzen, charakterisirt: „In dieser und ähnlicher Art wird aber gewöhnlich daun geurthe-lt, wenn davon die Rede ist, alte verjährte Mißbräuche wegzuräumen und den ursprünglichen, einfachen Zustand der Dinge wieder herzustellen. Wir haben auch bei sehr verschiedenen Veranlassungen, jederzeit, fast mit denselben Worten, dieselben, so zu sagen, stereotypen, durch gleichfalls stereotype Gemeinplätze unterstützte Gründe von neuem wiederholen gehört, welche gewöhnlich gebraucht werden, urn die gute alte Zeit gegen die frechen Anmaßungen der neueren in Schutz zu nehmen. Als der Zunftzwang aufgehoben und die Freiheit der Gewerbe hergestellt wurde, als durch bittere Noch, oder durch in die Augen fallende Erfahrungen gedrängt, die Fesseln der Leibeigenschaft gebrochen wurden, als der freie Güterverkehr und die Theiibarkeit der Grundstücke wieder in ihre ursprünglichen Rechte eintraten und die Gleichheit der Besteuerung wenigstens vorläufig gesetzlich ausgesprochen wurde, erhoben sich damals schon rheils drohende, theils elegische klagende Stimmen, welche Unheil und böse Jahre prophezeihend und das traurige Loos selbst derjenigen bejammernd, die jetzt das Unglück betreffe, aus der wohlthätigen Vormundschaft, aus der milden Zwangsherrschast entlassen zu werden. Und dies waren vorzugsweise die Stimmen Derjenigen, weiche Verhältnisse aufgeben sollten, die schon langst nicht mehr haltbar, gleich einem morschen Gebäude zusammenfallen mußten, wenn sie, die bereits manchem Unwetrer getrotzt hatten, nach trübem Himmel, von einem warmen Sonnenstrahl beschienen wurden." *) Wir sind überzeugt, das; diese wenigen Auszüge in allen unseren Lesern den Wunsch rege machen werden, die Schrift selbst im Zusammenhänge zu lesen und daß Keiner sie aus der Hand legen wird, ohne von inniger Hochachtung für den Verfasser durchdrungen zu sein und ihm für die edle Gesinnung, für die Liebe zürn Reckte und zur Freiheit, für die warme Theilnahme an dem Schicksale des unterdrückten Schwachen, welche ihm diese Schrift eingegeben, den verdientesten Dank zu sagen. Und auch bei den ferneren legislativen Berathungen, welche besonders in Preußen, über die bürgerliche Stellung der Juden Statt finden, wird, wie wir zuversichtlich hoffen, diese Schrift nicht unbeachtet blecken. *) „Bekanntlich stürzen alte, ruinöse Gebäude von Holz bei warmem Sonnenscheine am ersten zusammen, wenn die Zapfen und Zapfenlöcher völlig ausgetrocknet sind." Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altona.