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Der Jude · 1833-11-12 · Heft 22 (12.11.1833) · p. Seite 176

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 22 (12.11.1833)
Date
1833-11-12
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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176 als nothwendig annimmt, sie müsse hinlänglich gute' Gründe gehabt haben — der bekannten Münchhausen'schen Weise, sich aus dem Kothe zu ziehen, vergleichbar — allgemein würde, so würde es bald zwischen Recht und Unrecht, zwischen Thorheit und Weisheit keinen Unterschied mehr in der Welt geben. Daß nicht der Schatten einer Thatsache, in welcher denn nun jene ungünstige „Erfahrung" jener wenigen Jahre bestanden haben möge, vorhanden, ist über allen Zweifel erhaben: denn erstlich sagen die bestimmtesten Zeugnisse von dem Betragen der Juden in den Kriegsjahren, von denen hier gerade die Rede ist, das Gegentheil; zweitens würde Hr. St r. nicht erwangelt haben, Thatsachen von einem nachtheiligen Erfolge des Edikts zur Unterstützung seiner Behauptung anzuführen, wenn dergleichen irgendwo aufzutreiben gewesen wären. Wie schwer verletzend, wie überaus ungerecht eine durch keinen Beleg unterstützte, durch keine Aeußerung der Unzufriedenheit von Seiten der Regierung wahrscheinlich gemachte, auf eine künstliche Schlußfolge allein gebaute Behauptung ist, die, naher betrachtet, nichts Anderes besagt, als daß die Juden sich des gleichstellenden Gesetzes von 1812 unwürdig gezeigt hatten — dafür scheint Hr. Str. keinen Sinn zu haben. Aber ist ihm wirklich die Möglichkeit einer anderen Deutung jener Rückschritte gar nicht Ln den Sinn gekommen? Ist es ihm gar nicht eingefallen, daß eine Aenderung der Gesinnung, gleichviel ob löblich oder tadelnswerth, nicht eine gemR)te Erfahrung dazu bewogen haben könnte? Welche Erfahrung hat denn gezeigt, daß es bedenklich sei, den Juden, die als Invaliden aus dem Befreiungskriege zurückkehrten, diejenigen Versorgungen zu Theil werden zu lassen, die man Allen, welche freiwillige Dienste leisten würden, versprochen hatte? Welche Erfahrung hat denn dazu genöthigt. Denen, die iw Vertrauen auf das Gesetz von 1812 sich dem Lehrfache gewidmet hatten, die dargebotene Aussicht zu entziehen, so daß ihnen das Gesetz zum tauschenden Jrrlichte ward, das sie auf einen Weg ohne Ziel lockte, und zwar ehe man noch eine einzige Erfahrung über die Ausführung des Gesetzes gemacht hatte? Wenn man im Jahre 1812 bei der Abfassung des Gesetzes sich der Idee genäherte hatte, daß es besser sei für das Wohl des Staates, für die Würde der Religion und die öffentliche Moral, daß an das Bekenntniß der herrschenden Religion keine äußeren Vortheile geknüpft werden, wenn man sich einige Jahre nachher allmalig wieder zur entgegengesetzten Ansicht hinneigte, wenn man auch da, wo es sich nicht um Gewährung oder Entziehung von Rechten handelte, wie wir eben gesehen haben, es ganz offen aussprach, daß n\an H für Sache des Staates und der Negierung halte, dem Ehristenthume Proselyten zu werben, ist Das Resultat der Erfahrung, ist Das die Schuld der Juden? Will Hr. Str. uns Das als eine logische Nothwen'oigkeit glauben machen, so beweise er uns erst, daß der Widerruf des Edikt v. Nantes auch ein Werk hoher Staatsweisheit, das Resultat einer hundertjährigen Erfahrung von den Nachtheilen religiöser Duldung gewesen, daß jeder Rückschritt zur Unduldsamkeit, an denen die Geschichte nicht ganz arm ist/ immer ein Erzeugniß der Erfahrung, immer die Schuld der Verfolgten gewesen l So wie nun Hr. Str. die Ereignisse .seiner nächsten Umgebung deutet, eben so deutet er auch die der Weltgeschichte und es ist leicht zu ermessen, zu welchen Resultaten er auf diesem Wege gelangt. „Wenn wir die Geschichte der Juden betrachten" das ist S. 12 der wörtliche Text seiner an die Spitze der Schrift gestellten Grundansicht, „und sehen, wie dies „Volk seit so vielen Jahrhunderten unter allen Völ- „kern zerstreut, zwischen die verschiedensten Verhält- „ Nisse und Religionen hingestellt, in den Zeiten der „größten Rohheit wie der höchsten Bildung, im All- „gemeinen immer als eine Nation betrachtet worden „ist, vor welcher die übrige Staatsgesellschaft sich „hüten müsse; wie es abwechselnd unterdrückt, ver- „ trieben, wohl auch in Massen gemordet, — dann „wieder zurückgerusen, geschützt und begünstigt, und „ dennoch wieder verbannt oder doch beschränkt, im- „mer aber von den Regierungen und Völkern mit „Mißtrauen betrachtet worden ist: so müssen wir er- „ kennen, daß nicht ein zweitausendjahn'ges unter albten Umständen sich immer gleich gebliebenes Vor- „ urtheil, — denn ein solches ist wohl in der Welt- „geschichte noch nie gefunden worden, — die Ursache „ dieser Erscheinung seyn könne, sondern daß sie in ,,der inner» Eigenthümlichkeit der jüdischen Nation

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