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Der Jude · 1833-11-12 · Heft 22 (12.11.1833) · p. Seite 175

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 22 (12.11.1833)
Date
1833-11-12
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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175 aussprechen, daß sie uns nur darum zurücksetzen, weil wir eine von der ihrigen abweichende Religion vekennen und uns nicht minder zurücksehen würden, wenn wir allesammt die trefflichsten, verdienstlichsten Menschen waren, so haben sie keinen Grund gii persönlicher Gehässigkeit, so haben sie keine Lücke zwischen ihren Grundsätzen und den Folgerungen, die sie daraus ziehen, durch boshafte Beschuldigungen auszufüllen. Jene Unduldsamkeit aber widerstrebt auf's entschiedenste dem Geiste und der Bildung un serer Zeit und unseres Vaterlandes; sie fühlt es, daß chr Ende herannaht, daß ihre Kräfte schwinden, daß sie den Kampf nicht mehr zu bestehen vermag gegen die Grundsätze der Gewissensfreiheit, gegen die Forderungen der Gerechtigkeit. Das beweisen am deutlichsten die Schriftsteller, die in der neuesten Zeit es über sich genomznen, das System des Glaubensdruckes zu vertheidigen, indem sie das Prinzip der herrschenden Kirche gänzlich in den Hintergrund stellen und ignoriren und den Grund des Systems in alles ändere eher sehen, als in jenes Prinzip, in welches er allein mit logischer und geschichtlicher Wahrheit gesetzt werden kann. Dieses Verfechten der Sache der Unduldsamkeit mit Gründen der Aufklärung und der Staatöklugheit, dieser Kampf für die Finsterniß mit den Waffen des Lichtes, dieses Unterschieben falscher Motive der Nationalität und. des öffentlichen Nutzens statt des Religionshasses, der alle Ausschließung und Zurücksetzung der Juden vor Jahrhunderten in's Leben gerufen — solches Verfahren ist es, das wir der Unwahrhaftigkeit und Unredlichkeit beschuldigen, das die Vergangenheit, wie die Gegenwart verkennt und mißdeutet, das der Geschichte in's Angesicht lügt und die Begriffe des Rechts verdreht, das uns Haß statt der Gründe, Bosheit anstatt der Rechtfertigung giebt: und dieses Verfahren eben ist von keinem Schriftsteller so weit getrieben worden, wie von diesem. In der ganzen Schrift, unter allen den weit und tief gesuchten Motiven der Zurücksetzung der Juden ist von dem Prinzip des christlichen Staates, das die Zurücksetzung der Nicht-Christen als solcher in Anspruch nimmt, nicht einmal in geschichtlicher Beziehung die Rebe. Als hätte er gar nicht davon gehört, daß eine solche unduldsame Gesinnung mindestens in früheren Jahrhunderten in den Gemächern der Bekenner des christlichen Glaubens geherrscht und sich heutzutage noch hie und da geltend gemacht, fragt er auf die naivste Weise von der Welt, woher es denn komme, daß die Juden zu allen Zeiten von den Christen unterdrückt worden, woher es komme, daß die Emancipation noch immer Widerstand finde, daß in Preußen selbst Rückschritte in Betreff derselben gemacht worden und, da er in seiner Unschuld keine Ahnung davon hat, daß der einfache Grund von allem Dem wohl in dem Geiste — wir sagen nicht des Christenthums, sondern einer jeden herrschenden Kirche zu suchen sein möchte, so kann er natürlich nur den Juden die Schuld an Allem aufbürden. In der That das Argument ist vortrefflich und es ist Schade, daß Hr. S tr. nicht den Beruf gefühlt hat, es auch auf andere Parthieen der Geschichte anzuwenden: er würde ganz neue und eben so schlagend wahrhafte Resultate gewonnen haben. Johann Huß z. B. muß ein gar arger Bösewicht gewesen sein: denn wie würde man sonst auf den Gedanken gekommen sein, ihn zu verbrennen? Die Französischen Protestanten des 16ten Jahrhunderts müssen Erzschelme gewesen sein: warum hätte man ihrer sonst so Viele in einer Nacht ermordet? Die Protestanten der Spanischen Niederlande müssen auch nicht von besserem Schlage gewesen sein: warum hatte man sie sonst zu Tausenden verbrannt und aufgehängt? Wir wollen unserem Verfasser in seine einzelnen Behauptungen folgen und unsere Leser werden sich überzeugen, daß wir in diesen Beispielen die Form seiner Argumente nicht übertrieben, sondern treu und genau nachgebildet haben. Den ersten Beleg seiner Art zu schließen giebt er uns bereits in der Vorrede S. 5. Hier zieht er nämlich aus der Thatsache, daß die Preußische Regierung in den Jahren 1814 und 1815 das Edikt von 1812 in den neuen und wiedererworhenen Provinzen nicht eingeführt, daß sie nachher in Beziehung auf einige Punkte Beschränkungen für rathsam gehalten, ohne weiteres den Schluß, daß die Erfahrung Gründe dargeboten haben muß, welche jenes Unterlassen und dieses Thun motivirten. Wenn diese Weise der Rechtfertigung einer jeden Handlung durch sich selber, indem man 23*

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