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Der Jude · 1833-10-18 · Heft 21 (18.10.1833) · p. Seite 168

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 21 (18.10.1833)
Date
1833-10-18
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 zur Folge. Eine andere Sprache ziemt der jauchzenden Hymne, eine andere der wehmüthig klagenden Elegie,? eine andere dem erweckenden Buß-Psalm. Allgemeine Verständlichkeit ist freilich das unerläßliche Erforderniß eines Andachtsbuches; allein das Streben nach Popularität soll nie der Würde des Gegenstandes Eintrag thun. Wenn irgendwo Emr porziehen rathsamer ist, als zu tiefes Herabsteigen, so möchte es hier der Fall sein. Dazu kommt, daß ein Gesangbuch auch gewissermaßen ein Lehrbuch ist. Die Jugend soll mit demselben bei dem Religionsunterricht, so wie die Gemeinde durch die Predigt, bekannt und vertraut gemacht werden. — Ein äußerst wirksames Mittel, den feierlichen Ton und die ansprechende Gemüthlichkeit des religiösen Liedes zu treffen, ging uns WM Theil ab; es ist das Vorhandensein eines eigenen kirchlichen Idioms, wie es die Deutschen Protestanten, die Engländer u. A. besitzen. Die Mendels so huschen Uebersehungen *), so viel Verdienst sie haben, konnten uns das nicht gewähren; und erkünsteln läßt es sich nicht. — Daß auch einige Cantaten ausgenommen wurden, geschah besonders in der Absicht, der Musik allmalig mehr Zutritt zur Verherrlichung der Gottesverehrung zu verschaffen. Bei einem solchen Werke ausschließlich an den augenblicklichen Bedarf und Gebrauch zu denken, wäre sehr kleinlich. Architektur, Musik und Poesie waren — bei der Verwerfung jeder gröbern Versmnlichung — von jeher die würdigsten Hülftmiml, um den Israelitischen Cultus zu heben. Die Baukunst findet heutzutage bei uns ihre sehr enge *) Es ist in neuerer Zeit vielfach erkannt und beklagt worden, daßMoses Mendelssohn zu modern und elegant übechragen hat; nicht mit Unrecht. Nur muß man dabei den Standpunkt des großen Mannes genau erwägen, üm^rricht unbillig zu urtheilen. Mendelssohns VeMMste um die Deutsche Sprache sind vielleicht überhaupt nicht hinlänglich gewürdigt. Sie werden ihm seinen Rang als Schriftsteller sichern, wenn seine BedeutsanMt' m M^PHilosophieauch noch mehr in den Hintergrund treten sEe. Man untersuche nur, wie viele Werke vor den „Priesen über die Empfindung" in einer ähnlichen Deutschen Schreibart erschienen sind. So bediente sich denn M., wie Luther, auch zu seinen Uebersetzungen des besten ihm zu Gebote stehenden Ausdrucks, der damals nicht eben der alltägliche war. Ein großer Lheil seines Publikums mußte ja überhaupt erst an ein gutes Deutsch gewöhnt werden Und dann hatte freilich damals noch kein Boß die rechte Kunst zu übersetzen den Deutschen gelehrt. Begrenzung. Warum sollten wir nicht wenigstens von den beiden übrigen erhabenen Künsten den erlaubten Gebrauch machen'? — Jede äußere Schwierigkeit könnte in unserer der Tonkunst so gewogenen Zeit so leicht durch Gründung eines „Vereins für geistliche Musikcc aus dem Wege geräumt werden. So würde die Religion von der Kunst gefeiert, die. Kunst von der Religion geheiligt werden. Nichts ist mehr im Geiste unserer Gorteslehre. Unsere Väter waren erst ein'wandern des, dann ein Bergvolk; beide Lebensweisen wecken mächtig die Gemächer zum Gesang. Und wo war wie dort — Gott des Lebens und des Liedes vorherrschender Ge danke! Noch wiederholt sich vernehmlich in der parallelen Doppelrede jener begeisternden Volksgesänge der Wiederhall der Berge Libanons. Und wenn von dem alten Israel nichts erhalten wäre als sein heiliger Liederschatz, wahrlich es würde genügen, seinen Namen unter den Völkern ehrenvoll zu erhalten. — Dahin aber geziemt es der Gegenwart zu trachten, daß ihre Leistungen den Erzeugnissen einer edeln Vorzeit sich würdig anreihen? — Uns bleibt, bevor wir diese Bemerkungen schließen, noch übrig, einem Vorwurf zu begegnen, der sich wohl hin und wieder hören lassen dürfte. Es ist der, — daß unser Gesangbuch zu wenig ein bestimmtes religiöses Gepräge, eine eigenthümliche kirchliche Farbe an sich trage. Schwerlich möchte man bei diesem Tadel reiflich darüber nachgedacht haben, was man eigentlich verlangt. Schon ein Blick auf das Inhalts - Verzeichniß nimmt wahr, daß alle wichtigen religiösen Grundsätze und Lehren berücksichtigt worden sind. Den mosaisch - prophetischen Standpunkt charakterisiren vorzüglich die Gesänge von der Einheit Gottes (Nr. 7—10), von der Wirkung der Vorsehung in Beziehung auf Israel (72 — 77), von der Gotteslehre (114—126), endlich die Sabbath - und Festlieder (337—343 und 355 — 406). Daß die heilige Schrift nicht übersehen worden ist,- beweisen ferner 76 Psalmen - Bearbeitungen. Außerdem liegen mehreren Nummern (z. B. 121 und 128) biblische Stellen zu Grunde; andere sind nach dem Hebräischen bearbeitet (namentlich Nr. 57, 123, 148, 322, 343, 389). Auch die zehn Aussprüche am Sinai und die dreizehn Artikel, obschon ihrem Inhalt nach wenig zur

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