Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 20 (11.10.1833)
- Date
- 1833-10-11
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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163 als des von der Wahl Ausgeschlossenen? Wenn man der öffentlichen Meinung die Entscheidung überlassen will, warum gestattet man ihr nicht den freien Ausdruck? Wenn man ihr huldigen will, warum beverwundet, warum fesselt man sie? Heißt das sie verletzen, wenn man ihr das Urtheil anheim stellt? Heißt das sie zur Unzufriedenheit ausregen, wenn man sie zur alleinigen Richterinn macht? — Was nun endlich die in Frage gestellte Zulässigkeit zu militairischer Beförderung betrifft, gestützt auf den Zweifel, ob Soldaten von einem jüdischen Oberen „sich gern Befehle ertheilen lassen möchten," so muß man in der That die theuersten Rechte der Bürger sehr wohlfeilen Kaufs hinzugeben gewohnt sein, wenn man auf solche „möchten" und „dürften" ohne wen teres die kränkendsten Ausschließungen zu gründen anräth, ohne einmal die Erfahrung, welche in diesem Falle offen vorliegt, eines Blickes zu würdigen. Wir haben es schon erwähnt, daß die Französische Armee vor einigen Jahren 35 Officiere jüdischen Glaubens zählte; es ist bekannt/ daß es auch in der Oesterreichischen Armee jüdische Ofstciere giebt, daß es deren auch zur Zeit des Krieges in den Deutschen und namentlich Ln den Preußischen Armeen im aktiven Dienste gab. Wir dürfen daher von Hrn. Sir., ehe wir auf die aus seinen Prämissen zu ziehenden Schlußfolgen eingehen, Belege fordern, daß sich in jenen Fallen entweder Spuren von Widerspenstigkeit oder doch von Unzufriedenheit gezeigt, oder, was wenigstens ehrenvoll für uns sein würde, daß Alle, die sich in diesem Falle befunden, zu jenen „höchst ausgezeichneten seltenen Persönlichkeiten" gehört haben, welche feiner Meinung nach allein „die Schwierigkeiten, die sich hier einem glücklichen Erfolge entgegenstellen, überwinden können." Bis solche Belege erfolgt sind, werden wir die Ueberzem gung festhalten, daß auch in diesem, wie in so vielen ähnlichen Verhältnissen der Einzelne, ohne daß er eine größere Auszeichnung zu besitzen braucht, als die, welche ihn seines Postens würdig macht, von den Wirkungen jenes Vorurtheils unberührt bleibt, dessen dunkle Macht im schlimmsten Falle nur die vage Beurtheilung einer Gesammtheit beherrscht, wahrend es sich gegen die freien Berührungen der Persönlichkeit machtlos bewährt. Wenn die Soldaten vor wenig mehr als einem Menschenalter es sich in ganz Europa gefallen lassen mußten, daß sie in reifem Mannesalter von unbartigen Knaben aus adligen Familien befehligt wurden, ohne die Hoffnung, durch ihr vergossenes Blut,Adurch ein mühevolles Leben, durch militairifche Bildung und Kenntm'ß sich 8 auf die Höhe heben zu können, auf welche Jene der Zufall der Geburt gestellt, so werden sie, durch den Grundsatz der Rechtsgleichhelt aus jener tiefen Schmach erlöst, und von dem erhebenden Bewußtsein durchdrungen, daß auch ihnen durch gleiches Verdienst der Weg zur gleichen Ehre offen steht, es leicht begreifen, daß jener Grundsatz auch auf Diejenigen ihrer Mitbürger angewandt werden müsse, welche durch dasselbe barbarische System der Ungleichheit der Rech- I te, welches sie mit jenen von der höheren Kriegesehre ausschloß, anderweitig noch um ein Paar Stufen tiefer unter die Anerkennung des Menschenrechts und der Menschenwürde hinabgedrückt wurden. Vor 25 Jahren mag jedem Adligen der Gedanke, von einem Bürgerlichen befehligt zu werden, viel fremdartiger und peinlicher erschienen sein, als heutzutage die Möglichkeit, unter einem Juden zu dienen, einem oder dem anderen christlichen Bürger erscheinen mag; doch haben sich jene in den 7 Jahren, . die zwischen den Schlachten.von Jena und von Leipzig verstrichen, vollständig und zum nicht geringen Ruhme der Preußischen Waffen an jenes Verhaltniß gewöhnen müssen und es scheint nicht, daß dem letzteren irgend eine erheblichere Schwierigkeit im Wege I steht. (Die Fortsetzung folgt). _ Bade n. Unsere Leser sind dem Gange der diesjährigen Verhandlungen über die Emancipation der Juden in der Badischen Standeversammlung ohne Zweifel in den I Zeitungen gefolgt. Die Sache kam in Folge der an beide Kammern gerichteten Petition der Israeliten . des Landes zuerst in der ersten Kammer zur Sprache, wo bekanntlich eine Verhandlung, in welcher ein humaner, freisinniger Geist vorherrschend war, durch ein günstiges Resultats eine tteberweisung der