Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 20 (11.10.1833)
- Date
- 1833-10-11
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Petition an das Ministerium mit dringender Empfehlung, verbunden mit einem Anträge auf Vorlage eines Gesetzes über die Emancipation, gekrönt wurde. Minder befriedigend, jedoch mehr zweideutig, als ablehnend, ist das Resultat der Verhandlungen in der zweiten Kammer. Der seltsame, mehrfache Widersprüche in sich schließende Antrag der Majorität der Kommission, in deren Namen v. Rotteck Bericht erstattete, und welchem sich die Majorität der Kammer anschloß, lautete, wie bereits aus den Zeitungen zu ersehen ist: „ Zur Tagesordnung überzugehen un- „ter der ausdrücklichen Erklärung des den Gesinnun- „gen und Beschlüssen der Kammer von 1831 entspre- „chenden und fortwährenden Wunsches, die Emanci- „pation der Israeliten möglichst bald ausgeführt zu „sehen in der Hoffnung, daß ein solches Ziel auf dem „durch jene Beschlüße angedeuteten, wenn gleich bis „jetzt von den Israeliten abgelehnten Wege auf eine „allseitig befriedigende Weise werde erreicht werden." Da* nun diese letztere Hoffnung, wie einem Jeden, der die Sache einer näheren Betrachtung gewürdigt hat, klar ist, auf einer Täuschung oder auf einer Heuchelei beruht, so kommt Alles darauf an, ob jener Wunsch durch diese Hoffnung als nothwendig bedingt zu betrachten ist, oder ob er auch alsdann bestehen soll, wenn die innere Nichtigkeit dieser Hoffnung bis zur Evidenz erwiesen wird. Da aber über diesen Hauptpunkt der Antrag keine deutliche Auskunft giebt, so dürfen wir ihn mit Recht einen zweideutigen nennen. Sobald wir im Besitze der vollständigen Verhandlungen sind, werden wir eine ausführliche Kritik derselben versuchen. Vorläufig wollen wir, da uns in den Zeitungen über die Einzelnheiten derselben noch Weniges vorgekommen, aus brieflichen Quellen Einiges darüber mitthetlen. Der Inhalt der; Debatten ist den anwesenden Freunden unserer Sache im Ganzen befriedigend erschienen und ist in jedem Falle, gegen die traurigen Verhandlungen von 1831 gehalten, obgleich die Kammer fast noch aus denselben Elementen bestand, erfreulich zu nennen. Der Antrag der Minorität der Kommission war dieses Mal auf Emancipation ohne Umschweife gerichtet, so daß manche wahre Freunde der Freiheit, die vor 2 Zähren durch den Vorschlag einer Versammlung getäuscht worden waren, sich jetzt zu der rechten Ansicht offen zu bekennen, veranlaßt wurden. 16 Stimmen, ungefähr ein Dritttheil der Anwesenden, waren für diesen 'Antrag, der irn Jahre 1831 nur 2 Stimmen, die von Grimm und Speyerer für sich hatte. Unter den Rednern, welche dieses Mal die gute Sache warm und unbedingt vertraten und bewiesen, daß sie sich der Bedenklichkeiten und der Engherzigkeit von 1831 entledigt hatten, bemerkte man mit Freude 3 der ausgezeichnetsten Mitglieder der Kammer, Welker, Dutlinger und Merk. Mit besonderer Warme und Gründlichkeit sprach eine Stunde lang der Abgeordnete Beck in demselben Sinne und außerdem noch 7 andere Redner mit Wärme, Scharfsinn und Sachkenntniss. Intelligenz und Be- I redsamkeit waren nach dem Urtheil aller Anwesenden sehr überwiegend auf der Seite der Minorität. Das System der Bedingungen hatte hingegen die Mehrheit schweigender Votanten für sich und ward durch v. Rotteck vertreten. Dieser wurde mit allem Ernste der Wahrheit angegriffen; es wurden ihm Mangel an Aufrichtigkeit, unduldsame Gesinnung, aristokratische Grundsätze in dieser Angelegenheit und ein Streben nach mißverstandener Popularität vorgeworfen. Er ließ sich am Schluffe der Diskussion in eine überaus schwache Vertheidigung ein. Ln welcher er sich am Ende nicht anders zu Helsen wußte, als daß er den Unterschied der Anträge der Majorität und Minorität als äußerst unbedeutend darstellte, indem auch jene die Emancipation ernstlich wolle. Ein interessanter Zug der Debatte ist der, daß dem Abg. Sander auf die berüchtigte dem Kirchenrath Paulus entlehnte Ansicht, daß die Zuden nicht Mitglieder der Kammer sein könnten, weil sie neben dem Großherzog noch einen anderen Herrn und König anerkennten, dessen Befehlen sie folgen müßten, — nämlich Gott, von Dutlinger entgegnet wurde, daß, wenn die Gesetze Gottes ein Hinderniß seien für den Abgeordneten, sie alle den Saal verlassen müßten: Denn er glaube nicht, daß Emer in der Kammer sei, der diese nicht über sich anerkenne. — Die Erwägung aller Umstände berechtigt zu der Behauptung, daß, wenn in den nächsten 2 Zähren ein verhältnißmäßiger Fortschritt in den Ansichten Statt findet, wie in den vergangenen, von der nächsten | Ständeversammlung die Emancipation zu erwarten! ist. Alles übrige verspüren wir auf eine ausführli-! chere Erörterung. Berichtigungen. Nr. 19. S. 154. Sp. 1. Z. 15 v. u. statt Majorität 1 Minorität. S. 156. Sp. 2. 3. 9 ftalt galten l. harten. Nachträgliche Berichtigung: In Nr. 2 dieses Jahrgangs S. 11. Spalte 2. Z. 3 statt «Wahrheit" L „Mehrheit." Gedruckt bei H a m m e r i ch und L e s se r in Altona.