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Der Jude · 1833-10-01 · Heft 19 (1.10.1833) · p. Seite 151

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 19 (1.10.1833)
Date
1833-10-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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151 ohnmächtigen Minderzahl unter ihren Mitbürgern nicht ernsthaft mißbilligen und zu beseitigen streben kann, daß sie vielmehr in einer solchen, welche ja auf der Geburt eben so wohl, wie auf der Religion beruht, eine gewisse Entschädigung für die eigene Um bill nach Sklaven-Art zu finden leicht geneigt fein wird. Zu einer solchen Höhe der Uneigennützigkeit und Setbstverläuguung haben sich die Menschen und die Nationen noch nicht erhoben, daß sie Verletzungen, welche sie selbst in geringerem Grade erdulden, bekämpfen sollten, wenn sie auf herbere Weise den Schwächeren widerfahren! In ein System, welches auf das Prinzip der rechtlichen Sonderung der. Stände und Kasten gebautwo das öffentliche Recht nichts Anderes, als der Ausdruck dieser Sonderung war, wo der Begriff des Bürgers dem Staate verloren gegangen war und nur in dem Gemeindeverbande noch seine enge Bedeutung hatte, paßte die Unterdrückung der Juden zu gut als die niedrigste Stufe in der Stufenleiter aller der drückenden Unterschiede, welche das Staatsleben ausmachten, als daß sich eine mächtige Stimme dagegen hätte erheben können. Es kann mithin von einer öffentlichen Meinung sowohl für als gegen die Emancipation der Juden nur von dem Zeitpunkte an die Rede sein, wo die * Emaneipation des Volkes und aller seiner Klaffen und Stande als ein Grundsatz herrschend geworben und in der Wirklichkeit des Staatslebens den Sieg entweder errungen hat oder ihü mit aller Kraft der öffentlichen Meinung und des allgemeinen Willens zu erkämpfen begonnen, wo der Kampf der Rechtsgleichheit mit den Privilegien im Sinne der ersteren entschieden oder hoch der Sieg durch das Uebergewicht der geistigen und physischen Kräfte, welche auf ihrer Seite stehen, nicht länger ungewiß ist, wo das Prinzip einer herrschenden Kirche , weites über die Bekenner der am nächsten verwandten Konfessionen das Verdammungsurtheil der Ausschließung und der Unterdrückung ausspricht, dem Grundsätze der Gewissensfreiheit gewichen ist; mit einem Worte, wo ein Gedanke der Freiheit in allen ihren Bezichuugen die Gesetze, die Sitten und die Gemächer durchdrungen hat. Auf diesem Kampfplätze findet der Streit über die Emancipation der Juden seinen Platz und seine Erledigung; in diesem Boden wurzelt der Baum unserer Freiherr und alle Kraft unserer guten Sache; unter diesen Fahnen findet sie ihre Vertheidiger; nach dem Maaßstabe dieser Ideen, der Verbreitung und Anerkennung, welche sie gefunden, sind die Erfolge unserer Angelegenheit zu messen. Nicht mit dem größeren oder geringeren Grade der Bildung der Juden, nicht mit den mehr oder weniger herrschenden persönlichen Vorurtheilen und Abneigungen steht der Grad der Unterdrückung; untee weicher sie in den verschiedenen Staaten leiden, der Grad ihrer Hoffnung auf eine baldige Befreiung in geradem Verhältnisse, sondern einzig und allein mit der Stufe der politischen Bildung, mit dem Grade der Thetlnahme an den Fortschritten des Jahrhunderts, mir der größeren oder geringeren Innigkeit, mit welcher die Gedanken der Freiheit, der Gleichheit vor dem Gesetze von der Mehrheit der Nation aufgefaßt werden, also mit der Entwickelung des öffentlichen Lebens, der Kraft und der Würde einer wahren öffentlichen Meinung. Wir wollen von diesem, Standpunkte aus die Thatsachen betrachten, welche uns das politische Leben der civiliflrten Staaten Europas darbietet, und wollen die Resultate unserer Betrachtung dem von Herrn Streck fuß in einigen flüchtigen Zügen entworfenen Bilde an die Seite stellen. „In anderen „Deutschen Landen" — nämlich außerhalb Preußen — heißt esS. 19, „ist, so viel uns bekannt, eine völlige „Gleichstellung noch nirgends zu Stande gekommen, „so viele wohlgemeinte Anregungen deshalb auch ge- „schehen sind, wogegen öfters, neuerlich noch bei'm „Sächsischen Landtage, Petitionen gegen die Emanci- „pirung eingegangen sind." Wir möchten Hrn. S tr. der Russischen Regierung zur Abfassung eines Lehrbuchs der neuesten Geschichte zum Gebrauch für Polnische Schulen empfehlen: so meisterhaft versteht er sich auf das Kunststück, durch geschickte Auslassungen und Hervorhebung beliebiger Fragmente aus dem Gange der Ereignisse die Geschichte selber zu einer Lüge zu machen. Sind die beiden angeführten Thatsachen, die eine negativer und die andere positiver Natur, wirklich die einzigen, welche dem Hrn. Str. aus den legislativen Annalen Deutschlands in Betreff der vorliegenden Angelegenheit in den letzten 3 Jahren bekannt worden sind oder glaubt er, daß sie den Inhalt 20*

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