Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 18 (13.9.1833)
- Date
- 1833-09-13
- Page
- Seite 147 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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147 GewWnsfreiheir günstigen wahrhaften öffentlichen Meinung sehen. Wir habe» -den allgemeinen Grund; chDMter der hieher gchörigen Erscheinungen des gewihniLchen Lebens bei einer anderen Veranlassung in sorgenden Worten zu characterisiren versucht *). „ Daß die Mehrzahl der weniger gebildeten und ein Theii der gebildeteren Christen mit Demjenigen, was sie vorzugsweise.„Lude" und „jüdisch" nennen, eine Vorstellung des-Abneigung Erregenden verknüpfen: das erfahren wir zu oft, und zu schmerzlich, als daß nur es in Abrede stellen wollten. In einem .schembaren Gegensätze dazu steht aber die Erfahrung, daß, während jenes Vorurtheil die Beurrheilung im Allgo- Meinen zu beherrschen scheint, die Mehrzahl der Christen den einzelnen Juden nach seinem Verdienste schätzt und ihm im gleichen Grade, unter denselben Verhältnissen und Voraussetzungen, wie dem Christen, gern «d leicht ihr Vertrauen schenkt. Der e«zige e^ere Beruf, dessen Ausübung auch in den Zeiten der finstersten Unduldsamkeit und Verfolgung den Juden gestattet worden, der des Arzres, zeiM hievon schlagende Beispiele. Andere finden sich in denjenigen Deutschen Staaten, wo die Gesetzgebung in der einen oder in der anderen Beziehung einen > Fortschritt germcht und dadurch dem persönlichen Berr trauen Gelegenheit, sich zu äußern, gegeben har. Im Kroßherzogthum Hessen sind schon häufig jüdffcl-e Ortsbürger von ihren Mitbürgern zu Stadrräthen ernannt und. in einigen Fallen schon zu Kandidaten zur Bürgermeister - Stelle vorgeschlagen worden. Im Herzogthum Braunschweig, wo die neue vor ganz Kurzem zum ersten Male zur Ausführung ge; kommene Wahlordnung dem zu Wählenden so wenig wie dem Wähler die Bedingung der christlichen Rer ligion vorschreibt, haben einem Israeliten nur einige Stimmen gefehlt, um zum Stellvertreter eines Abgeordneten zur Standeversammlung gewählt zu werden. Es muß also doch, nach solchen Erscheinungen zu mtheilen, viele Stimmende geben, deren Gesiw , . .-f J-- _ ' ■ / ' *) Diese Stelle ist einer von dem Herausgeber verfaßten, kürzlich im Druck erschienenen Denkschrift entlehnt, gerichtet an die Badische Ständeversammlung zur Begründung einer Petition Badischer Israeliten um völlige bürgerliche Gleichstellung. Da diese Denkschrift nicht für das größere Publicum bestimmt ist, so erlaube ich mir, die Stelle hier mitzutheilen. nung von Vorurtheil und Abneigung hinlänglich frei ist, um diese wenigstens in dis Verhältnisse des Rechts und des bürgerlichen Lebens nicht-hinüber zu tragen. Der scheinbare Widerspruch aber zwischen jenem Vorurtheil und diesen Erfahrungen scheint uns leicht zu lösen. Die Seele der meisten Christen hat die ungünstige Vorstellung von dem Juden schon vor allem Nachdenken und aller Erfahrung in sich ausgenommen als den unklaren Ueberresi eines ehmals mach; tigen Fanatismus, als den undeutlichen Nachklang einer lieblosen Gesinnung, welche in früheren Zeiten die religiöse Unduldsamkeit gegen Andersglauvende gut zu heißen schien. Ware dem nicht so, so würden nicht häufig schon jüdische Kinder von den christlichen eine unfreundlichere und lieblosere Begegnung erdulden müssen, als der Erwachsene sie von dem Erwachsenen zu erfahren und zu ertragen gewohnt ist. Man kann annehmen, daß, so wie der Christ in Folge seiner ganzen Jugendbildung ein Ideal des Christen im Herzen trägt, auf welches er jede Tugend, die er bei einem seiner Glaubensgenossen wahrnimmt, bezieht, und zu welchem er jeden moralischen Flecken, der sich seiner Betrachtung dardietet, in einen Gegensatz bringt, er häufig eben so ein umgekehrtes Ideal von einem Juden im Kopfe führt, das er mit jedem Fehler, mir jedem Vergehen, die er an einem oder dem anderen Juden rvahrnimmt, belasten wird, während er jede Tugend, jede gute Handlung, jede einnehmende Eigenschaft wie eine Ausnahme und Abweichung davon betrachtet. Diese befangene Vorstellung wird ihn, wenn er billig denkt und menschlich fühlt, durchaus nicht abhalten, jeden wirklichen Juden, mir welchem das Leben ihn in Berührung bringt, nach seinem Verdienst zu schätzen, ihn zu achten und ihm zu vertrauen, wenn er es verdient; nur wird er in der Regel alles das Gute, was er wahrnimmt und anerkennt, auf jene unveränderliche Vorstellung, auf jenen feststehenden Typus nicht übertragen; er wird, wie der Klosterbruder in Narhän dem Weisen zu dem Juden, der seine Achtung gewonnen, sagen: „Fürwahr! Ihr seid ein Christ;" und der Jude seiner Idee wird dabei immer derselbe bleiben." *