Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 17 (6.9.1833)
- Date
- 1833-09-06
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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137 bekümmert. Was mich betrifft, so will ich aus Grundsatz lieber einen achtbaren Juden an der Gesetzgebung für eine christliche Kirche Theil nehmen lassen, als Einen, der sich zu einer feindlichen christlichen Sekte bekennt. Je näher verschiedene Sekten einander in ihren Maubenslehren' stehen , desto eingewurzelter iss ihr Haß, desto unversöhnlicher und blutiger sind sie in ihrer Verfolgung. Die ganze Geschichte beweist die Wahrheit dieses Satzes auf eine nur allzuschmerzliche Weise. Niemand wird heutzutage religiöse Verfolgung im Allgemeinen verrheidigen; Zeder wird zugeben, daß fle sich nur als ein Mittel der Selbsterhaltung, als Schutzmittel gegen religiöse Verderbniß oder bürgerliche Gefahr rechtfertigen laßt. Zn keiner dieser Beziehungen aber ist es gut zu heißen, daß die Juden vom Parlament ausgeschlossen werden. Ich wiederhole es, es ist von ihnen weniger Gefahr für die herrschende Kirche M erwarten, , als von jenem christlichen Sekten , denen die Episkopal- Kirche ein Gräuel ist. Welche Kriege waren die blutigsten? Wann wurden Mitleid und Menschenliebe am wenigsten geübt? Welches sind die schwärzesten Seiten der Geschichte? Die Verfolgungen wetteifernder christlicher Sekten. Die Katholiken verfolgten die Protestanten; die Protestanten wiederum die Katholiken; die eine christliche Sekte verfolgte bis zum Tode gerade diejenige unter den übrigen, welche ihren Lehren am nächsten kam. Man hat gesagt, daß , wenn unsre gesetzgebende Gewalt nicht mehr protestantischer, fle doch streng christlicher Natur sei, daß daher, so weit man auch den Grundsatz der Duldung ausdehne , Juden nicht als Mitglieder jener könnten zugelassen werden- Ich begegne dieser Einwendung, indem ich die Gegner auf'am dere Staaten, welche auch ausschließend christliche genannt werden, verweise, — auf Spanien z. B. Ich frage sie, ob sie als Protestanten, was die freie Ausübung ihrer Religion betrifft, nicht lieber in einem Mohammedanischen Staate, wo sie für die Ecle- Ogung einer geringen Geldstrafe den protestantischen Kultus verrichten könnten, als in Spanien mit seiner Inquisition leben wollten? Je weiter und je weniger ausgleichbar der Unterschied des Glaubens ist, desto geringer ist die Verfolgung, desto größer die Sicherheit. Cs ist von dem sehr ehrwürdigen Prälaten als ein Grund gegen die bill geltend gemacht worden, daß die Juderi ein Dmkmal der göttlichen Rache seien/ in deren Werk- Mir sticht eingreisen sollten. Auch ich betrachte sie ak^ ein wunderbares Denkmal Göttlicher Leitung ) wie siö dih Weissagungen'der Propheten erfüllen, und ihre Strafe für die Verwerfung des Messias erleiden. Aber darf der schwache, blinde, sündliche Mensch das Amt des Vollziehers der göttlichen Rache über sich nehmen? Wir haben nicht den Willen der Gottheit zü ergräbetn, sondern ihre Befehle zu vollziehen. Christus hat uns befohlen, einander zu lieben und rsicht zu verfolgen. Laßt uns übrigens einMal die Bedeutung jenes Arguments naher 'kn'« Auge fassen. Wenn wir die Verfolgung der Juden durch den Grund rechtfertigen, daß wir damit göttliche Absichten vollziehen, konnten nicht die Römer, da sie die Juden niedermetzelten und Jerusalem zerstörten, auch sagen, daß sie nur dem Willen Gottes gehorchten? Konnten nicht alle die verfolgenden'christlichen Sekten, deren Thaten die Geschichte des 16ten und 17ten Jahrhunderts beflecken, sich derselben empörenden Weise der Vertheidigüng bedienen? Ist es der Wille Gottes, daß die Juden ein Zeugniß für die Wahrheit der Prophezeihungen bleiben "sollen , so wird unsere Entscheidung es nicht ändern; aber da er uns ausdrücklich befohlen hat , nicht zu verfolgen, so sollten wir uns nicht mit ungebührlicher Anmaßung zu Auslegern des Göttlichen. Willens aufwerfen und nicht die Vertheidigung des eignen Glaubens gegen die Jrrthümer Anderer mit der Bestrafung eines Menschen seines Jrrthums wegen verwechseln. Ist Einer in dieser Versammlung, der sich zu den Grundsätzen der Verfolgung bekennt, so erkläre ickx ihm, daß meine Ansichten von den seinigen weiter, als von denen der Juden, abstehen. Beide sehen den Charakter des Messias herab, die Einen aus Unwissenheit, der Andere aus Hochmuth. Sein Äkdsflas ist nicht der sanfte und demüthige Jesus von Nazareth , der zu seinen Schülern sagte: mein Reich ist nicht von dieser Welt, der dem Petrus befahl, das Schwerdt niederzulegen und den Waffen der Ueberzeugung allein zu vertrauen, der, da man ihn aufrief, die Feuer des Himmels auf seine Mörder hernieder zu beschwören, sanft erwiederte: Vergieb ih-